Francois & The Atlas Mountains - E Volo Love - Cover
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Francois & The Atlas Mountains E Volo Love


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Francois versucht mit seinen Atlas Mountains Eintönigkeit durch Liebenswürdigkeit wett zu machen.

Wenn es keine Nachrichten gibt, dann muss man welche erfinden. Frei nach diesem Schema machen Domino Records etwas daraus, dass Francois And The Atlas Mountains das erste französische Signing des Labels sind. „Ja und?“, fragt man als Hörer, der mit Alizee schon einmal Frankreichs Pop-Export ausgesetzt war. Ganz so auf den Mainstream zugeschneidert ist Francois zwar nicht, aber sein Ausländer-Bonus ist ähnlich hoch anzusiedeln. Chibo Matto aus Japan waren damals nur der Anfang einer Manie, die falsche Aussprache zu etwas „süßem“ machte. In der Indie-Szene auf jeden Fall hip und krönen tat das ganze Lena Meyer-Landruths Sieg beim Eurovision Grand Prix.

Weniger gecastet startet Francois allerdings durch und versucht mit leichtem Indie-Pop die Herzen seiner Hörer zu bezaubern. Und natürlich klingt er durch und durch wie jemand, der sich bemüht englisch zu singen. Akzent und Dialekt sorgen bei einigen bestimmt für Verzückung, während andere nach dem dritten Song abschalten wollen, weil die jungenhafte Stimme mit schlechter Aussprache nicht Jedermanns Sache sein wird. Über die Melodien lässt sich dagegen erst mal nicht streiten. Das Album beginnt herrlich entspannt und eingängig. „Les Plus Beaux“ und „Muddy Heart“ ergeben sich den warmen Gitarren und eingängigen Drums, die fast schon meditativ wirken.

Natürlich grenzt der Spaß auch schnell an Eintönigkeit, aber das versucht Francois mit seinen Atlas Mountains durch Liebenswürdigkeit wett zu machen. Dies gelingt zwar über einen Zeitraum von gut drei Minuten, aber sobald die Lieder die Vierminutenmarke durchbrechen, wird es auch für Fürsprecher kritisch. Der Opener bekommt zwar noch den Überraschungsbonus, doch „Edge Of Town“ ist der erste Beweis, dass Langeweile eintreten kann. Viel spannender ist da der erste Klischee-Nachweis in Form von „City Kiss“. Der unsagbar gut mitzusingende Track wird die Lager mit seinem schlechten Englisch spalten. Schade, da der Track als erster eine echte Entwicklung durchmacht, die in seiner Endform mit Streichern und Bläsern an Sufjan Stevens. Endlich dürfen die Atlas Mountains zeigen, wozu sie in der Lage sind.

Leider wird das tolle Auftaktdrittel qualitativ nicht weitergeführt. Mit „Azrou Tune“ beginnt ein Minimalismus-Dreier bis „Cherchant Des Ponts“ der leider vollends enttäuscht. Für sich allein genommen handelt es sich um nichtssagende, aber auch im guten Sinne harmlose Balladen, die weder wirklich gut noch schlecht sind. Erst mit „Slow Love“ gibt es wieder etwas zu entdecken, doch bei knapp fünf Minuten Spielzeit tut sich Francois abermals schwer, die Spannungskurve aufrecht zu halten. Allein „Piscine“ erinnert nochmal an die genannten Stärken der Kombination und so plätschert das Album wenig spektakulär und gegen Ende auch nicht mehr beruhigend vor sich hin. Einprägsame und schöne Melodien wie zu Beginn sucht der Hörer vergebens, was für einen recht enttäuschenden Ausklang sorgt.

Anspieltipps:

  • Muddy Heart
  • City Kiss
  • Les Plus Beaux

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