Crippled Black Phoenix - (Mankind) The Crafty Ape - Cover
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Crippled Black Phoenix (Mankind) The Crafty Ape


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 86 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Blöd, dass der Sänger Joe Volk kurz vor Veröffentlichung ausgestiegen ist.

Eine präzise Beschreibung seiner Musik ist im heutigen Musikdschungel sehr wichtig geworden, um in der Flut an neuen Bands und all den musikalischen Schubladen, man könnte sie geradezu Kläranlagen nennen, nicht unter zu gehen. Ein ausgefallener Name oder eine treffsichere ausgeklügelte Stilbeschreibung sind hilfreich zumindest das Vorklärbecken zu überstehen und ins Belebungsbecken zu gelangen. Bei einigen Musikkapellen nimmt dieser Drang nach Individualität gar groteske Züge an mit selbsterdachten Stilen wie dem weniger ernst gemeinten DiskoMetal-AvantgardePrimitivPunkPop-ElektroBeat von Die Ärzte) oder dem ein bisschen ernster gemeinten Progressive-Death-Indie von Oceansize.

Verrückte Bandnamen wie Chäirwalk sind auch nicht selten und Crippled Black Phoenix klingt auch etwas seltsam, zugegeben, aber dafür beweisen sie, dass der Musikstil viel einfacher und besser vorstellbar beschrieben werden kann, nämlich schlicht als Endtime Ballads, was durchaus das Interesse weckt sich der Musik anzunähern. Der erste Eindruck der Endtime Ballads erweist sich zugleich als absolute Untertreibung als auch unglaublich trefflich. Leise ist die Musik nämlich nicht, deutlich rockig mit vollgepackten progressiven Strukturen, lang und schwer in ihrer Beschaffenheit, gleichzeitig aber eben düster, geradezu pessimistisch, und mit einigen Klavierklängen und reduziertem Tempo versehen, wodurch doch der Eindruck einer Ballade entsteht, einer Ballade für den Weltuntergang.

Crippled Black Phoenix sind dafür bekannt das Medium der Compact Disc bis an der Rand seiner Kapazität zu füllen und wie sich diesmal zeigt auch darüber hinaus. Die 86 Minuten von „(Mankind) The Crafty Ape“ wurden in drei Kapitel unterteilt und auf zwei CDs platziert, sie handeln von der Verdorbenheit der Menschen und von Ungerechtigkeit. Musikalisch kämpfen einige Lichtblicke mit vorsichtiger optimistischer Hoffnung gegen die pessimistische Grundstimmung und beim Empfänger bildet sich der Eindruck aus, dass die Erde verloren zu sein scheint, der kluge Affe dafür die Verantwortung trägt und nur wenig Hoffnung besteht.

Der Einstieg ins Album ist besonders angenehm, weil „The Heart Of Every Country“ mit seinem 70er Pink Floyd Flair samt gefühlvollen Gitarrentönen daherkommt, so kennt man die Band vom Vorgänger „I, Vigilante“. Doch dann gesellen sich im nächsten Track Bläser hinzu und die Musik wird auf eine lebendigere Ebene emporgehoben. Der erste Teil des Albums („A Thread“) wird abgeschlossen mit einem zweigeteilten Song „The Brain / Poznan“, der mit einprägsamen charakteristischen Keyboard- und Klavierklängen gefüllt ist. Der zweite Teil („The Trap“) ist etwas wütender, lauter und schneller, mit ausdrucksloserem Gesang und größerem Fokus auf den Schlagzeugbeats, allgemein der schwierigste Teil des Doppelalbums. Der dritte Teil („The Blues Of Man“) befindet sich auf der zweiten CD und ist entsprechend bluesiger, wehklagend und in Gedanken versunken, ein gutes Beispiel dafür ist „Operation Mincemeat“ mit seinem männlich-weiblichen Gesangsduo. Fehlt nur noch das letzte, traditionell lange Stück, welches mit Streichern sehr pompös instrumentiert daherkommt, sich aber auch einige Ruhepausen während seiner 15 Minuten nimmt.

Zwar kann der Band vorgeworfen werden, dass sich einige fragliche Stücke auf dem Album befinden, auf die aus rein musikalischer Sicht hätte verzichtet werden können und ohne die das Album auf eine CD gepasst hätte, aber sie haben die Titel dieser Stücke von selbst in Klammern gesetzt, um ihre vielleicht nicht untergeordnete aber doch andere Rolle im Kontext zu verdeutlichen. Diese Stücke sind zwar nicht notwendig, aber sie stören das Gesamtgefüge in keiner Weise, im Zusammenhang mit der Thematik des Albums sind sie sogar ein durchaus interessanter Stimmungsgeber, „(In The Yonder Marsh)“ zum Beispiel ist geheimnisvoll und geradezu Angst einflößend.

Alles in allem ist Crippled Black Phoenix wieder ein sehr gutes Album gelungen, auf dem es viel zu entdecken gibt. Es ist zwar nicht so auf den Punkt gebracht wie „I, Vigilante“, aber dafür auch facettenreicher in all seiner Länge. Blöd nur, dass der Sänger Joe Volk kurz vor Veröffentlichung ausgestiegen ist, aber da die Band schon immer eine hohe Fluktuation aufgewiesen hat, wird sie auch damit fertig werden.

Anspieltipps:

  • The Heart Of Every Country
  • Get Down And Live With It
  • The Brain / Poznan
  • Operation Mincemeat

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