Jens Thomas - Speed Of Grace - Cover
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Jens Thomas Speed Of Grace


  • Label: Act/EDEL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Bitte zuerst einen Blick auf die Trackliste werfen. Die Titel dürften euch bekannt vorkommen, stimmt’s? Eigentlich reicht es schon den ersten und dritten zu sehen, und es leuchtet ein, dass dies alles Lieder von den australischen Rockdinos von AC/DC sind. Auf dem Cover mit dem ominösen Ottifanten-Menschen steht auch groß und dick „A tribute to AC/DC“. Mit diesen Informationen stellt sich eine gewisse Erwartungshaltung im Gehirn ein, Assoziationen, die nicht einfach so weggedacht werden können, denn die Originalmusik ist einfach zu einprägsam. Das alles wird aber sehr schnell über den Haufen geworfen, wenn das Album von Jens Thomas erst einmal läuft. Nichts, aber auch wirklich nichts, lässt sich in der Musik vom Original wieder erkennen. Lediglich diejenigen, die die Texte von AC/DC runter beten können, sollten erkennen, was da durch die Lautsprecher tönt. Das wäre doch mal ein interessantes kleines Ratespiel für den Freundeskreis: Wer ist der Originalinterpret dieser Songs?

Jens Thomas transferiert auf „Speed Of Grace“ die ursprünglichen Hardrocknummern zu extrem reduzierten, minimalistisch lyrischen Stücken, die zum Großteil lediglich aus seinem Klavierspiel und seiner Stimme bestehen. Zwei eigene Stücke hat er darunter versteckt. Es ist das erste Album von ihm seit acht Jahren, denn zwischenzeitlich hat Jens bei der „Othello“-Inszenierung am Theater gearbeitet. Gleichzeitig ist es auch das erste Album auf dem er singt, weil er seine Stimme bei der Theaterarbeit erst entdeckt hat. Dieser Umstand trägt besonders zum Charakter des Albums bei, weil er durch die reduzierte Musik die Songtexte von AC/DC stark in den Vordergrund hebt, gleichzeitig seine Stimme exponiert, die zwar eine schöne Klangfarbe hat, aber der man ganz klar anhört, dass er kein Sänger ist. Manchmal klingt es ganz schön unbeholfen und ungeübt, wie er versucht gewisse Tonfolgen aus sich heraus zu bekommen. Dabei ist die Gefühlsebene, die Traurigkeit und Verzweiflung, jederzeit gut zu erkennen.

Selbstmordgefährdete sollten dieses Album nicht unbedingt kaufen. Die Depressionsgefahr ist ziemlich hoch. Ein Stück wie „Highway To Hell“ kann diesen Umstand ganz gut verdeutlichen. Auch „T.N.T“, das im Original ein sehr lebendiges Lied ist, in dem es immerhin um Sprengstoff geht, ist hier das absolute Gegenteil. Jens Thomas haucht in unglaublich langsamem Tempo die Worte „T – N – T … I’m Dynamite“ ins Mikrofon, da huscht einem durchaus ein Grinsen übers Gesicht. Dabei ist diese Komposition noch mit der Trompete von Verneri Pohjola geschmückt, die seltene Lichtblicke, kleine Horte eines leichten Auflebens, mit sich bringt. Manchmal unterstreicht Pohjola aber auch die Trägheit der Musik, wie in „If You Want Blood“, wo er einen unglaublichen Effekt kreiert, indem er lediglich in die Trompete pustet, ohne Ton, lediglich ein dumpfes Pfeifen. Ihn wünscht man sich viel öfter auf diesem sehr intensiven, aber doch zu monotonem Album.

„Speed Of Grace“ trägt eine verborgene, tiefgründige Schönheit in sich, die jedoch nicht ohne weiteres zugänglich ist. Das Album ist nichts für den Alltag, ein durchaus interessantes künstlerisches Experiment, eine radikale Neuinterpretation von AC/DC, die aber nur zu wenigen Anlässen geeignet ist, für die der Hörer in der entsprechenden Stimmung sein muss.

Anspieltipps:

  • T.N.T
  • Connected
  • If You Want Blood

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