Lars Danielsson - Liberetto - Cover
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Lars Danielsson Liberetto


  • Label: Act/EDEL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein neues Traumduo im europäischen Jazz wird angekündigt, zwischen dem Schweden Lars Danielsson am Bass/Cello und dem Armenier Tigran am Piano. Bereits das vorherige Duo zwischen Lars Danielsson und Leszek Mozdzer galt als ein Besonderes und brachte ein hervorragendes reines Duoalbum „Pasodoble“ und ein reguläres Album von Danielsson mit mehreren Musikern hervor, nämlich „Tarantella“. Im Vergleich zum Vorgänger “Tarantella” ist das neue Album nicht so komplex, weniger dissonant, leichter und geradezu schwereloser in seiner Beschaffenheit. Außerdem setzt es wieder vermehrt auf angenehme Melodien. Der Verlauf des Albums ist zwar nicht geradlinig, denn es oszilliert zwischen melancholischer Einsamkeit und lebendigen Orten der Menschenversammlung hin und her, aber bewegt sich doch innerhalb einer festen Bandbreite. Die typische nordisch kühle Melancholie ist in den Kompositionen allgegenwärtig und macht zusammen mit den sanften Melodien die Musik von Danielsson so charakteristisch, es reicht den Titelsong „Liberetto“ zu hören, um seine Handschrift zu erkennen.

Das Besondere an diesem Album ist es zu hören, wie sich ein Musiker aus einem so entfernten Land wie Armenien so hervorragend einfügen kann. Nein, er fügt sich nicht nur ein, er prägt maßgeblich dieses Album. Der Beweis das Musik keine Grenzen kennt wäre hiermit erbracht, denn Tigran Hamasyan spielt am Piano als ob er selbst in Skandinavien aufgewachsen wäre. Seine Komposition „Svensk Låt“ (schwedische Melodie) klingt nordischer als die der eigentlichen Schweden dieses Albums und beherbergt eine richtige musikalische Explosion, sie könnte glatt vom Esbjörn Svensson Trio stammen, aber schließlich bearbeitet das ehemalige Mitglied Magnus Öström die Felle und Becken auf diesem Werk. Im März erscheint übrigens ein neues Album von E.S.T., das zweite nach dem Tod von Esbjörn, entstanden zur gleichen Zeit wie „Leucocyte“, aber dies nur am Rande. Die restlichen Kompositionen von Tigran sind deutlich langsamer, trauriger und knüpfen an die armenischen Traditionen an, dies bringt das armenische Volkslied „Hov arek sarer djan“ besonders gut zum Ausdruck.

Manche Momente auf dem Album sind magisch ohne auf den ersten Eindruck besonders zu sein, in „Orange Market“ gibt es einige davon, zum Beispiel wenn in der Mitte des Stücks die lebendigen und alles erfüllenden Akkorde plötzlich leiser werden ohne dabei ihre Intensität einzubüßen, sie geben den Raum frei damit der Bass sich an die Oberfläche kämpfen kann, bevor er wieder geschluckt und von den Melodien mitgerissen wird. Ohne Frage das am meisten mitreißende Stück auf „Liberetto“. Der Gitarrist John Paricelli ist zwar oft vertreten, fällt aber zunächst gar nicht wirklich auf, wenn er aber in Erscheinung tritt, dann mit sehr einprägsamen Einlagen wie mit dem Geigenähnlichen Effekt in „Party On The Planet“ und einem wunderschönen Zusammenspiel zwischen seiner Akustikgitarre und Tigrans Piano in „Driven To Daylight“.

Tatsächlich hat sich hier ein neues Traumduo im europäischen Jazz zusammengefunden, es sind keine bloßen PR-Sprüche, die das Album schön zu schreiben versuchen. „Liberetto“ ist ein sehr ausgewogenes Album, voller schöner Melodien und einem ständigen leichten Auf und Ab. Vielleicht nehmen die beiden Herren als nächstes auch ganz alleine ein Album auf, eins wie „Pasodoble“, den Grundstein dafür haben sie gelegt.

Anspieltipps:

  • Orange Market
  • Svensk Låt
  • Hov arek sarer djan
  • Driven To Daylight

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