Ulf Wakenius - Vagabond - Cover
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Ulf Wakenius Vagabond


  • Label: Act/EDEL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ulf Wakenius, langjähriger Gitarrist bei niemand geringerem als dem 2007 verstorbenen Pianisten Oscar Peterson, hat sich für sein neues Album „Vagabond“ ein junges französisches Talent am Akkordeon geschnappt, Vincent Peirani. Diese das Album dominierende Kombination aus akustischer Gitarre und Akkordeon erinnert stark an das Duo Al Di Meola und Dino Saluzzi auf „Di Meola Plays Piazzolla“, auch wenn es bei denen ein Bandoneon war und die Musik eine Hommage an den jazzigen Tango Nuevo von Astor Piazzolla. Ulf hingegen beschränkt sich nicht auf ein Land wie Argentinien, er lässt sich vielmehr umhertreiben und absorbiert unterschiedliche Einflüsse nicht nur aus verschiedenen Ländern, sondern sogar aus grundverschiedenen Kulturen. So trifft das europäische Frankreich („Bretagne“) auf den Nahen Osten im Irak („Breakfast In Baghdad“) und auf das asiatische Japan („Song For Japan“), dabei wird Ulf und seine Musik zum Vagabunden.

In „Song For Japan“ werden zwei Gitarrenspuren sehr geschickt vermengt, eine mit rein und lang klingendem Ton und eine mit gedämpftem Ton, wodurch das Stück unter anderem tatsächlich diesen asiatischen Klang bekommt. „Bretagne“ zeigt sich temporeich, getragen von Gitarrenakkorden im Hintergrund und schönen Melodieläufen zwischen Wakenius und Peirani im Vordergrund, ein hervorragendes Stück mit gewissen Parallelen zur Pat Metheny Group. „Breakfast In Baghdad“ hingegen ist ein unglaublicher Parforceritt in dem Peirani zeigt wieso er als ein so großes Talent angesehen wird, baut er hier einen beeindruckenden, schnellen Dialog zwischen seiner Stimme und seinem Akkordeon auf, Noten, die eigentlich für den Gesang komponiert wurden. Der Titelsong atmet ebenfalls arabische Klänge, aber auf eine ganz andere Art, mit einer Portion Anspannung und immer wieder auftauchenden kleinen melodischen Verschnaufpausen, ohne hohes Tempo aber doch sehr lebendig, wie der Wechsel zwischen Verfolgung und Belauerung.

Neben diesen vier Eigenkompositionen wurden noch andere zum Leitthema passende Stücke ausgewählt, wie das jedem bekannte „Message In A Bottle“ von The Police in einer sehr schönen langsamen Version gesungen von Youn Sun Nah oder der Song „Birds And Bees“, der einem durch seine Melodie sehr bekannt vorkommt und den Jazzhörern in der Version von Jim Hall & Pat Metheny durchaus bekannt sein dürfte. Der am Cello und Bass agierende Lars Danielsson, der zur gleichen Zeit sein eigenes Album „Liberetto“ veröffentlicht, hat auf „Vagabond“ zwei Kompositionen beigesteuert von denen eine das vielleicht schönste lyrisch-melodische Album eines Jazzduos eröffnet, nämlich „Praying“ auf „Pasodoble“, das Lars zusammen mit Leszek Mozdzer am Piano aufgenommen hat. Zum Ende des Albums geht die Reise auf die amerikanischen Kontinente mit dem brasilianischen „Chorinho“ und dem indianischen „Witchi-Tai-To“.

Die vielen Namen und Analogien, die im Text gefallen sind, sollen nicht dazu dienen Ulf Wakenius lediglich irgendwo einzuordnen, sondern vielmehr seine Vielseitigkeit aufzeigen. Ein akustisches Album wie „Vagabond“ es ist, könnte kaum abwechslungsreicher sein und das wäre ohne die Möglichkeiten von Ulf seine Akustikgitarre so vielseitig einzusetzen einfach nicht möglich, da könnten die Kompositionen noch so unterschiedlich und breit gestreut sein. In dieser Form ist es ein Genuss den Stücken zu folgen und sich die abenteuerlichsten Reisen in den entferntesten Ländern vorzustellen.

Anspieltipps:

  • Bretagne
  • Breakfast In Baghdad
  • Birds And Bees
  • Vagabond

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