Caliban - I Am Nemesis - Cover
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Caliban I Am Nemesis


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„You´ve gotta be fucking kidding me!” – Nach der Veröffentlichung des furchtbar hässlichen und total nichtssagenden Coverartworks zum achten Caliban-Studioalbum „I Am Nemesis“ im November letzten Jahres will man diese Zeilen aus dem Opener „We are the many“ den Herrschaften Andreas Dörner (Gesang), Marc Görtz (Gitarre), Denis Schmidt (Gitarre, Gesang), Marco Schaller (Bass) und Patrick Grün (Schlagzeug) nur allzu gerne postwendend entgegen schreien. Gab es denn keine handgezeichneten Abscheulichkeiten mehr (siehe „Say Hello To Tragedy“ (08/2009)) oder war ein schlichtes Artwork eines „The Opposite From Within“ (10/2004) oder „The Awakening“ (03/2007) nicht Aufsehen erregend genug? Nun, der Hund liegt ganz woanders begraben: „Das Konzept des Albums ist textlich gesehen quasi eine Weiterführung von „Say Hello To Tragedy“. Es ist gesellschaftskritisch und zeigt Themen auf, die unserer Meinung nach falsch laufen in der Welt.“ erläutert Andy den Grundkern der neuen Caliban-Langrille. Haben wir es also mit einer schlichten Fortsetzung zu tun?

Die Antwort lautet: Jein! „I Am Nemesis“ übernimmt zwar die Idee des nicht sonderlich hübschen Vorgängercovers und wildert wie eh und je im aggressiv-abgehackten Metalcore, doch dieses Mal sind es besonders die vielen kleinen Details, die beim achten Longplayer über Sieg oder Niederlage entscheiden. War „The Awakening“ nach dem enttäuschenden „The Undying Darkness“ (02/2006) noch ein Befreiungsschlag par excellence, so entpuppte sich das sukzessive „Say Hello To Tragedy“ nicht mehr als solide Draufgabe, die jegliche Weiterentwicklung vermissen ließ. Wo der neueste Streich der Metalcore-Jünger diesen Missstand nun beheben könnte, haben sich Dörner & Co. allerdings mehr damit beschäftigt den Metalheads ein besonders rundes Erlebnis zu bieten, das erneut kaum Neues bietet, dafür aber jegliche Elemente beinhaltet, die Caliban in den letzten Jahren schon gestreift hatten.

Es gibt melancholische Halbballaden („This oath“), subtile Electro-Spielereien („Broadcast to damnation“) oder flirrende Gitarren („Dein R3Ich“) werden als Salz in der Suppe beigemengt, Melodic Death-Tracks machen ihre Aufwartung und wandeln zwischen okay („No tomorrow“) und langweilig („Edge of black“), Klargesang wird als Kontrast zur bitterbösen Atmosphäre kaum gewinnbringend installiert („Modern warfare“, „Open letter“, „Davy Jones“), donnernde Moshpitattacken schlagen in die Magengrube („We are the many“, „The bogeyman“, „Deadly dream“) und Schunkelpassagen für die Feuerzeugschwenkmomente auf den anstehenden Festivals dürfen freilich auch nicht fehlen („Memorial“).

Damit ist die Checkliste für einen abwechslungsreichen Metalcore-Output abgehakt, herausragende Momente, wie sie auf den Vorgängern zu finden waren, bleiben jedoch Mangelware, was besonders an den zu spärlich oder inflationär eingesetzten Gewürzen liegt, denn wenn z.B. schon der dritte Song mit schmachtendem Klargesang ausgestattet wird und stimmungsvolle Nummern wie „Dein R3Ich“ die Ausnahme neben den üblichen Caliban´schen Wutbolzen bilden, dann läuft irgendetwas falsch. Dass soll nicht heißen, dass wir es bei „I Am Nemesis“ per se mit einem schlechten Album zu tun haben, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Aushängeschild in Sachen Qualitätsmetalcore aus deutschen Landen schon wesentlich spannendere Früchte anzubieten hatte. Und über das Cover breiten wir einfach lieber den Mantel des Schweigens.

Anspieltipps:

  • Dein R3Ich
  • No Tomorrow
  • Deadly Dream
  • We Are The Many

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