Stefan Gwildis - Frei Händig - Cover
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Stefan Gwildis Frei Händig


  • Label: 105 Music/Sony Music
  • Laufzeit: 70 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Frei Händig“ erfüllt durchaus die Ansprüche, auch wenn die Hitdichte der ersten Alben fehlt.

Mit seinen herausragenden Coverversionen von großen Soul-Hits spielte sich Stefan Gwildis (53) in die Herzen des Publikums („Neues Spiel“, 06/2003, „Nur Wegen Dir“, 02/2005) und bewies damit, dass Songs mit authentischer Stax- und Motown-Atmosphäre auch aus deutschen Landen kommen können, ohne peinlich zu wirken. Doch der Hamburger spürte auch, dass er mit dieser genialen Masche nicht endlos weitermachen konnte und integrierte auf den folgenden beiden Studioalben immer mehr Eigenkompositionen.

Auf seinem aktuellen Album „Frei Händig“ treibt Stefan Gwildis diese Entwicklung nun auf die Spitze und bietet ein Dutzend eigens für den neuen Longplayer geschriebene Stücke an. In Gemeinschaftsarbeit mit Michy Reincke, Rolf Claussen, Martin Langer und Tobias Neumann entstanden die Texte und die Musik, die sich an den Themen und den souligen Klängen der vorherigen Alben orientieren. Dadurch fällt der vermeintliche Stilbruch zwar nicht allzu heftig aus, aber es stellt schon einen Unterschied dar, ob Stefan Gwildis zu bekannten Melodien, die den Test der Zeit bereits bestanden haben in die Bütt zieht oder mit frischen, eigenen Stücken, die sich in der Gunst des Publikums erst noch beweisen müssen.

Dazu gehört Mut. Schließlich gibt der 53-Jährige sein Erfolgsmodell freiwillig auf und stellt sich mit eigenen Songs mehr denn je auf die Probe. Denn die Gefahr, dass diese nicht funktionieren, ist größer als bei Coverversionen, wenn sie so charmant und mit viel Liebe zum Detail eingedeutscht werden, wie es Stefan Gwildis bis dato getan hat. Allein aus diesem Grund muss sich der geneigte Hörer keine Sorgen machen, dass dies nicht auch mit eigenen Songs gelänge.

„Frei Händig“ klingt wie erwartet stimmig und rund, da die musikalische Umsetzung mit bewährter Studiomannschaft über jeden Zweifel erhaben ist. Hammond-Orgel, Fender Rhodes und Wurlitzer Electric Piano gehen Hand in Hand mit geschmackvollen Bläser- und Streicherparts, die in ein animierendes Rhythmuskonzept eingebettet werden, über dem die markant-raue Stimme Gwildis‘ schwebt.

Damit erfüllt „Frei Händig“ durchaus die Ansprüche, auch wenn die Hitdichte der ersten Alben fehlt, was ganz zum Schluss richtig bewusst wird, wenn die einzige Coverversion „Windmills of your mind“ in „Fall nicht auf mich rein“ (Udo Lindenberg interpretierte den Song übrigens schon im Jahr 1997 großartig als „Unterm Säufermond“) umgedichtet wird und so etwas wie Gänsehautatmosphäre aufkommt. Dieses Kunststück vermögen die Eigenkompostionen (noch) nicht in die Tat umzusetzen.

Anspieltipps:

  • Ohne dich
  • Sag mir wo
  • Durch die Nacht
  • Spiel das Lied in dir
  • Fall nicht auf mich rein

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