Enter Shikari - A Flash Flood Of Colour - Cover
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Enter Shikari A Flash Flood Of Colour


  • Label: Ambush Reality/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Aktuelle Aufnahmen vom Planeten Shikari. Unnormal, aber gut.

Ist es besonders selbstbewusst oder einfach nur wahnsinnig unkoordiniert, wenn eine Band neue Songs kleckerweise veröffentlicht und sie nicht für das anstehende Studioalbum aufbewahrt? Genau diesen „Luxus“ haben sich nämlich Enter Shikari erlaubt, als sie ein paar ihrer bisher gelungensten Tracks auf der 2010er Compilation „Tribalism“ und als diverse Singles rausgehauen haben, ohne damit auf den nächsten großen Output zu warten. Dass genau diese Songs aus „A Flash Flood Of Colour“ zweifellos das mit Abstand beste Album der Briten gemacht hätten, ist einerseits schade, andererseits aber auch fast egal, weil die Scheibe auch ohne „Thumper“, „Destabilise“ und „Quelle Surprise“ hörenswert geworden ist.

Und sogar noch mehr: „A Flash Flood Of Colour“ ist die einzig logische Konsequenz des bisherigen Schaffens dieser Band, die vermutlich zu gleichen Teilen geliebt und ignoriert wird. Trancecore, also Post-Hardcore mit ordentlichem Electro-Einschlag, ist eben geschmackstechnisch nichts für jeden, obwohl das - zumindest genreinterne - Hitpotential einiger Enter Shikari-Kreationen nicht bestritten werden kann. „Search Party“ ist wieder so ein Kandidat geworden, aber der Reihe nach: Eröffnet wird der neue Silberling zunächst mit dem energiesammelnden „System…“, das direkt in „…Meltdown“ übergeht - einem Vieh von einem Enter Shikari-Song, inklusive Kopf-ab-Beat und der typischen, nur selten ins Plumpe abdriftenden Systemkritik, die sich durch einen Großteil der Platte zieht.

Einstieg gelungen, weiter geht die Reise mit der ersten Single „Sssnakepit“, dem wohl besten Track des Albums, bevor das bereits erwähnte „Search Party“ den Gehörgang erobert. Jetzt haben die vier Musiker aus St Albans einen Lauf. Zeit, noch einen drauf zu setzen: „Arguing With Thermometers“ kombiniert praktisch alle musikalischen Stilmittel, die jemals Einzug in einen Enter Shikari-Song fanden. Was am Ende dabei herauskommt, sollte Clubbesitzer veranlassen, vor dem nächsten Gig der Band lieber noch einmal zu überprüfen, ob das Gemäuer auch wirklich diesem Electro/Post-Hardcore-Sturm gewachsen ist. „Zzzonked“ vom Vorgänger „Common Dreads“ lässt grüßen. Gleiches gilt für das wutgeladene Monstrum „Ghandi Mate, Ghandi“ sowie für „Hello Tyrannosaurus, Meet Tyrannicide“ - die letzte große Granate auf „A Flash Flood Of Colour“.

Alles Weitere, ob danach oder dazwischen, kommt dagegen nicht über die Bezeichnung Durchschnitt hinaus: „Stalemat“ und „Constellations“ sind zwei ruhige Songs, die praktisch nur dazu da sind, um bei Konzerten die ebenfalls nicht herausragende „Common Dreads“-Ballade „Gap In The Fence“ abzulösen. „Warm Smiles Do Not Make You Welcome Here“ und „Pack Of Thieves“ fehlt einfach der Elan, um qualitativ an die erste Albumhälfte anzuknüpfen. Trotz dieser kleineren Schwächen ist „A Flash Flood Of Colour“ dennoch ein deutlicher Schritt nach vorne geworden: Die Songs sind durchdachter, strukturierter, gehaltvoller und der gesamte Mix an sich wirkt nicht mehr so kaputt und - für Außenstehende - verstörend, wie auf dem Debüt „Take To The Skies“. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Fortsetzung folgt, wenn auch vermutlich zunächst wieder in Form von Singles.

Anspieltipps:

  • Sssnakepit
  • Arguing With Thermometers
  • Ghandi Mate, Ghandi
  • ...Meltdown

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