The Maccabees - Given To The Wild - Cover
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The Maccabees Given To The Wild


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl The Maccabees schon auf ihren ersten zwei Alben gezeigt haben, dass sie in einer langweiligen Indie-Rock-Ecke nichts verloren haben, äußern sie sich heuer deutlicher.

Die ersten beiden Alben der britischen Indie-Rock-Band The Maccabees, „Colour It In“ (2007) und „Wall Of Arms“ (2009) erreichten vor allem in England eine solide Platzierung in den Charts und wurden von den Kritikern verheißungsvoll gelobt und angepriesen. Das dritte Studioalbum „Given To The Wild“ nahm die Band um Leadsänger Orlando Weeks erneut für zwei Jahre in Anspruch und wird der selbstverschuldeten Erwartungshaltung dennoch überwiegend gerecht.

Aufgenommen haben die Jungs „Given To The Wild“ mit Tim Goldsworthy, der unter anderem mit Bands wie The Rapture oder Hercules And Love Affair zusammengearbeitet hat. Außerdem waren Bruno Ellingham, der bereits Alben von Massive Attack und LCD Soundsystem produziert hat und Jag Jago, Gründungsmitglied der Punkrock-Band The Ghost Of A Thousand an der Zusammenarbeit beteiligt. „Given To The Wild“ entstand somit unter dem Einfluss von Punkrock, TripHop, Dance und Elektro, was dem Album in vielerlei Hinsicht anzumerken ist.

Was der im vergangenen Jahr veröffentlichte Album-Teaser ankündigte, wird auf „Given To The Wild“ fortgesetzt: Verstörende Indie-Rock-Nostalgie. Die Band ist ihrem Stil nicht unbedingt treu geblieben, sondern hat selbigen weiterentwickelt. Es fällt zudem angenehm auf, dass „Given To The Wild“ nicht nur eine zusammengewürfelte Sammlung von neue Songs ist, sondern ein durchdachtes Gesamtwerk.

Ein mystisches, beinahe chorales Intro stimmt den Hörer vorsichtig ein und führt ihn Song für Song durch ein stimmiges Album. Die Gitarrenparts gehen in epische Längen, klingen beinahe angenehm soulig und gleichzeitig verstörend psychedelisch. Etwas stimmiger ist auch das Organ von Orlando Weeks, der sich auf „Given To The Wild“ hörbar ausgetestet hat: In „Unknown“ oder „Glimmer“ hat der Hörer das Gefühl, als hätte man Orlando Weeks mal eben für Chris Martin von Coldplay ausgetauscht.

Die erste Single „Pelican“ dagegen ist ein treibender, sehr deutlicher und erfrischend klarer Indie-Rocksong und gleich darauf folgt mit „Went Away“ ein nicht weniger knackiges Werk, das im Refrain, sofern man ihn denn also solchen erkennt, leider etwas abschwächt. Und genau das ist leider das Hauptproblem einiger Songs auf „Given To The Wild“: Trotz all der Harmonie wirkt das Album an einigen Stellen ein wenig langatmig und in die Länge gezogen. Refrains und Songtext-Phrasen werden gefühlte zwanzig Mal wiederholt und man wartet beinahe sehnsüchtig auf das nächste Lied. Es lässt sich schwer sagen, ob diese Eigenheit, wie sie zum Beispiel in „Unknown“ deutlich wird, ein absichtlich eingesetzter, künstlerischer Move ist oder versehentliches festhängen auf einer Repeat-Taste.

Obwohl The Maccabees schon auf ihren ersten zwei Alben gezeigt haben, dass sie in einer langweiligen Indie-Rock-Ecke nichts verloren haben wollen, äußern sie sich auf „Given To The Wild“ noch etwas deutlicher. Insgesamt ist „Given To The Wild“ ein sehr schönes, ausgewachsenes Album, an dem sich erkennen lässt, dass The Maccabees sich sehr bemühen. Vielleicht haben die Briten auch einfach mit den richtigen Menschen zusammengearbeitet, was dazu führt, dass sich die Konzentration auf einen psychedelischen Elektrosound jetzt auszahlt.

„Given To The Wild“ klingt ein bisschen so wie Arcade Fire, gemischt mit Coldplay, gleichzeitig aber auch ganz anders und eigenständig. The Maccabees scheinen mit ihrem musikalischen Schaffen jedenfalls noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen zu sein und lassen Platz für einen Nachschlag.

Anspieltipps:

  • Pelican
  • Feel To Follow
  • Unknown

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