Jonsi - Go Live - Cover
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Jonsi Go Live


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 151 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Livealben sind oftmals mit Vorsicht zu genießen, denn nicht selten kommt es vor, dass auf ein erfolgreiches Studioalbum kurzerhand eine Live-Version folgt, die jedoch nicht unbedingt einen erkennbaren Mehrwert bietet. Der Sigur-Ros-Frontman Jonsi brachte Anfang 2010 mit „Go“ ein solches Erfolgsalbum hervor. Entgegen der melancholischen Stimmung, die man von Sigur Ros gewohnt war, brodelte „Go“ nur so vor Energie. Ein wahres Feuerwerk, dessen erste Single „Go Do“ losgelöst von all der Traurigkeit einschlug wie eine Rakete. Farbenfroh, dynamisch und beinahe ausgelassen hörte man Jonsi trotz charakteristischer Stimme ganz neue Töne anschlagen.

„Go Live“ ist ein Doppelpack aus einer DVD, die ein Konzert bereithält, dass am 26. März 2010 in den 3 Mills Studios in London aufgenommen wurde und einer CD, die sowohl Live-Tracks eines Konzertes in Belgien am 29. Mai 2010 als auch Songs in London am 14. September 2010 bereithält. Die DVD von „Go Live“ gibt dem Album „Go“ ein Gesicht! Was man nur erahnen konnte, zeigte Jonsi auf seiner Tour: Leuchtende Bühnenoutfits, aufregende Performances und gleichzeitig künstlerisch anmutende Inszenierungen in Form von Lichteffekten und gelungener Bühnendekoration. Die zwischenzeitlichen Einblendungen schwanken zwischen wildem Farben-Spektakel und mystischen Träumereien und machen das Live-Aufnahmen zu einem Konzerterlebnis für alle Sinne.

Interessanterweise werden vor allem auf der DVD von „Go Live“ Songs, die man auf dem Studioalbum „Go“ weniger wahrgenommen hat, plötzlich zu absoluten Raketen. Der Song „Grow Till Tall“ umfasst beispielsweise ganze neun Minuten und wächst tatsächlich von Sekunde zu Sekunde. Jonsi schafft es die Stimmung in ungeahnte Höhen zu treiben, sodass man als Zuschauer nach neun Minuten Daueranspannung das Gefühl hat beinahe zu zerspringen. Im Gegensatz dazu enttäuscht nur der Song, der auf dem Studioalbum für die meiste Aufregung sorgte: „Go Do“ ist tatsächlich nicht der beste Song für eine Live-Performance. Es strengt an, zieht sich in die Länge und teilweise wirkt all das Geklimpere etwas überladen.

Zwischen all den Live-Ausschnitten gibt es kurze Interview- und Behind The Scenes Ausschnitte, in denen Jonsi und seine Bandmitglieder unter anderem über den Einsatz seiner kuriosen Instrumente spricht, über die Intention, die er mit der Veröffentlichung seines Soloalbums verfolgt hat und den entscheidenden Unterschied zwischen seiner Arbeit mit Sigur Ros und seinen Soloprojekten. Zusätzlich erfährt der Zuschauer Hintergrundinformationen über die Entstehungsgeschichte von „Go“ und „Go Live“.

Auffallend ist bei der CD von „Go Live“ vor allem die Länge, denn diese beinahe doppelt so lang wie das Studioalbum. Sowohl auf der CD als auch auf DVD kommt man so in den Genuss der „Director’s Cut“-Versionen einzelner Songs und sogar unveröffentlichten Songs wie „Stars in Still Water“, „New Piano Song“ oder „Icicle Sleeves“. Unterbrochen werden die zauberhaften Klänge lediglich durch den begeisterten Applaus des Publikums.

Alles begann mit Riceboy Sleeps, dem Album, was Jonsi mit seinem Lebensgefährten Alex Somers aufnahm, was stilistisch jedoch Sigur Ros weitaus ähnlicher war als „Go“. Jonsi ist jedoch wahrlich mehr als ein Frontman, der spontan ein paar Solo-Alben ohne die restlichen Bandmitglieder veröffentlichen wollte. Er steckt scheinbar voller Energie und Ideen, die allesamt in verschiedenen Projekten darauf warten umgesetzt zu werden.

„Go“ zeigte dem Hörer bereits, in welchem Ausmaß in Jonsi ein experimentierfreudiger Künstler steckt, doch „Go Live“ setzt dem Ganzen noch die Krone auf. An einigen Stellen wurde vielleicht etwas zu viel experimentiert, doch genau dafür sind derartige Veröffentlichungen in gewisser Art und Weise auch gedacht. Schlussendlich ist auch „Go Live“ ein Meisterwerk und wieder einmal fragt man sich: Was ist das für ein merkwürdiger Zauber, dort oben, in Island?

Anspieltipps:

  • Grow Till Tall
  • Boy Lilikoi
  • New Piano Song

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