First Aid Kit - The Lion´s Roar - Cover
Große Ansicht

First Aid Kit The Lion´s Roar


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Viele Einzelheiten über die Band First Aid Kit sind so erstaunlich, dass man sie gerne als erstes erwähnen möchte. Zum Beispiel, dass die schwedischen Sängerinnen Schwestern sind. Vor allem aber auch, dass Klara und Johanna, geboren 1993 und 1990, äußerst junge Vertreterinnen des Musikbusiness sind. Oder dass die beiden 2008 durch YouTube bekannt wurden und zwar nicht mit einem ihrer eigenen Songs, sondern mit einem Cover der Band Fleet Foxes.

Am erstaunlichsten aber ist wohl die Aussage des jungen Duos, die sie lauthals lachend gemacht haben: „We only sing sad songs”. Das trifft es ziemlich auf den Punkt. „The Lion's Roar” transportiert über zehn Lieder hinweg eine durchgängige, unausweichliche Melancholie, der man sich weder entziehen kann, noch entziehen will. Obwohl noch so jung, singen die Schwedinnen von den traurigsten, tragischsten Momenten, die das Leben einem bietet, immer mit einem zarten, süßen Beigeschmack zur bitteren Realität.

Beeinflusst von Johnny Cash, June Carter und Miss Harris haben die Schwestern mit ihrem zweiten Album eine Art Ode an ihre Vorbilder geschrieben. Das Werk ist eine elegante Mischung aus Folk und Country und damit absolut untypisch für die Generation ihrer Schöpfer. Dass sie mal in eine andere Richtung gehen werden, ist für die beiden Mädchen nicht ausgeschlossen. „Our voices and songs could work in many genres”, ist sich Johanna sicher. Doch selbst für Leute, die mit Country und Folk sonst Identifizierungsschwierigkeiten haben, dürfte dieses Meistwerk eine Kostprobe Wert sein. Das liegt zum einen an der Andersartigkeit des Albums, zum anderen aber auch an den fesselnden Texten. Dabei gelingt es den beiden fast immer, den Bogen zwischen absoluter Hoffnungslosigkeit und einem Abrutschen ins Fröhliche zu spannen.

Handeln die Texte von positiveren Momenten, ist die Melodie mit Gewissheit etwas tragischer. Sind die Texte voll von Traurigkeit, gibt einem die Musik etwas Hoffnung. So erklingt in „Blue” zu einem fast heiteren Rhythmus und hohen Tönen der vernichtende Satz: „The only man you ever loved, you thought was gonna marry you, died in a car accident, when he was only twenty-two.” Und damit nicht genug. Es ertönt gleich im Anschluss der Refrain: „Then you just decided, love wasnt for you.”

Woher nehmen Klara und Johanna in diesem zarten Alter diese Traurigkeit, will man sich fast pausenlos fragen. Doch irgendwie findet man sich in ihren Lyrics wieder. Sie singen von der Melancholie, die in jedem von uns steckt. Dabei spielt das Alter eigentlich gar keine Rolle. „The Old Routine” handelt von einer Frau, die bereits Mann und Kinder hat, „To a poet” ist zeit- und alterslos, könnte jedem passiert sein. „I miss you more than I can take and I will surely break”, singen die beiden Schwestern. Ob es dabei um eine aussichtlose oder vergangene Liebe geht, bleibt Interpretationssache. Fest steht, dass jeder verstehen kann, wenn gesungen wird „and every morning when I wake, it's the same.” Die ernüchternde Auswegslosigkeit findet ihren Abschluss in: „there is nothing more to it, I just get through it.” Man muss eben durch. Dieser Satz gilt allerdings nicht für das Album. Man hört es nicht einfach so durch. Man wird mitgerissen. Man muss einfach hinhören, wenn die Schwestern ihre Mischung aus herzzerreisenden und erwärmenden Balladen wiedergeben.

Den Abschluss findet das Werk in dem tatsächlich fröhlich klingenden „King of the World”, das First Aid Kit gemeinsam mit den Felice Brother's und ihrem lokalen Helden Conor Oberst aufgenommen haben. Obwohl auch in diesem Lied die Lyrics nicht gänzlich hoffnungsvoll sind, ist es ein gelungenes Abschluss-Feuerwerk, das Lust auf mehr macht. Vielleicht schon im Februar, wenn First Aid Kit für ein paar einzelne Termine in Deutschland auftreten.

Anspieltipps:

  • Emmylou
  • Blue
  • To A Poet
  • King Of the World

Neue Kritiken im Genre „Folk-Pop“
Diskutiere über „First Aid Kit“
comments powered by Disqus