Guided By Voices - Let´s Go Eat The Factory - Cover
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Guided By Voices Let´s Go Eat The Factory


  • Label: Fire Records/CARGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sechs Jahre, nachdem Robert Pollard, Gründer und einzig konstantes Mitglied von Guided By Voices die Band aufgelöst und verkündet hatte, es würde keine Reunion mehr geben, können Anhänger der Gruppe jetzt aufatmen. Pünktlich zum Beginn des neuen Jahres folgt das brandneue Album: „Let's Go Eat The Factory“. Die letzte Tour machte Pollard, eigentlich gelernter Grundschullehrer so viel Spaß, dass er sich dazu entschließt, die Band wiederzubeleben. „Irgendwann dachte ich, dass eine Menge Leute neue GBV-Musik hören wollen würden“, erklärt er in einem Interview. Und damit hat er wahrscheinlich Recht. Die Veröffentlichung des neuen Albums ist die eine Überraschung. Die andere zeichnet sich in der Besetzung ab. Nachdem die Mitglieder der Band über die Jahre hinweg einem ständigen Wechsel unterzogen waren, hat Robert Pollard mit Kevin Fennell, Mitch Mitchell, Tobin Sprout, Greg Demos und Jimmy Pollard genau die Leute versammelt, die das letzte Mal vor 15 Jahren gemeinsam Musik gemacht hatten. Es ist das Original Line-Up der 1983 gegründeten Indie-Gruppe Guided By Voices.

Und auch sonst scheint das Motto des neuen Werks der Suche nach den eigenen Wurzeln verschrieben zu sein. „Let's Go Eat The Factory“ klingt ein bisschen, als sei es kurz vor der Fertigstellung, live und als Versuch aufgenommen worden. Und genauso war es auch. Die Band mietete für die Aufnahmen kein Studio. Stattdessen wurden sämtliche Songs in den Wohnzimmern, Kellern und Garagen der eigenen Häuser aufgenommen. Das Resultat dürfte treue Anhänger mit Sicherheit begeistern: entstanden ist eine perfekt gemischte Low-Fi-Platte, mit Fast-Live-Songs, akustischen Jam-Sessions und über-bearbeiteten, verrückten Liedern. Genau das also, was der Band vor vielen Jahren ihren Ruf eingebracht hatte, legendär zu sein. Der Entstehungsprozess war geprägt von Ideen aller Mitglieder, vom Tauschen der Instrumente, vom Experimentieren damit. Herausgekommen sind 21, teils extrem kurze Songs, die oft typisch abrupt enden und trotzdem eine Gesamtheit bilden.

Auch für Einsteiger, die sich über die Platte zuerst vielleicht wundern würden, finden sich Stücke auf der CD. So ertönen in „Spiderfighter“, der als erster aller Albumtracks feststand, harte Gitarrentöne, bevor sich der Song genau in der Mitte plötzlich komplett umwandelt, in ein Klaviersolo mit kurzem Gesang, das noch eine ganz andere Besonderheit von GBV hervorhebt: Die immer vorhandene, manchmal stark ausgeprägte Liebe zur Melodie. Das kommt auch in der ersten Single „Doughnut for a Snowman“ zur Geltung, die ansonsten total verrückt ist und die Pollard selbst als den „ungelenkesten und glitzerndsten Song“ beschreibt, den er jemals geschrieben hat. Man muss sie schon wirklich mögen, die Low-Fi-Qualität, die verqueren Ideen, die Vielzahl der Klänge und Lieder an sich. Man muss ihnen eine Chance geben, sie immer wieder hören, dann entfaltet sich ein wirklich achtenswertes Gesamtwerk.

Anspieltipps:

  • Doughnut For a Snowman
  • Spiderfighter
  • Hang Mr Kite
  • Chocolate Boy

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