Peter Gabriel - New Blood: Live In London - Cover
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Peter Gabriel New Blood: Live In London


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 162 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das „New Blood“-Konzert ist die Kulmination von Gabriels orchestraler Phase und gleichzeitig auch ihr Ende, wie er selbst im Interview der Blu-Ray versichert. Hier vereinbart er die Stücke anderer Künstler, die er auf „Scratch My Back“ radikal neuinterpretiert hat mit seinen eigenen Stücken, die für Orchester neu arrangiert wurden und auf der CD „New Blood“ ihren Platz gefunden haben. Die Kombination dieser beiden Alben ist es, die das Konzert deutlich differenzierter und angenehmer macht als das Pendant auf CD. Es folgt einer Dramaturgie wie sie in einem Film oder Buch typisch ist, die Reihenfolge der Songs ist dadurch logisch und konsequent, nicht so durcheinander und den Hörfluß störend wie auf CD. Zunächst werden die Stücke Gabriels aufgeführt, die sich für eine Orchestrierung wirklich geeignet haben, mit einem sehr Spannungsgeladenen Anfang („Intruder“ ) und einem Höhepunkt an Intensität weiter hinten in Programm bietend („The Rhythm Of The Heat“). Der gefühlte Abschluss „Blood Of Eden“ wird gefolgt von den melodischeren Stücken, quasi als Bonus und Pflichtprogramm für die Fans, aber es sind nun mal keine Stücke, die durch eine Orchestrierung besonders dazu gewinnen. Einige verlieren eher ihren Charme, wie „Don’t Give Up“, bei dem es eben nicht Kate Bush ist, die auf der Bühne steht.

Die Bühnenshow ist bei „New Blood“ deutlich dezenter als für Gabriel üblich (wer es nicht kennt, möge sich „Growing Up: Live“ ansehen), sie ist dem orchestralen Rahmen angepasst, denn die 46 Musiker des Orchesters sollen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Ohne einige Akzente und kleine Spielereien kommt Herr Gabriel aber einfach nicht aus, so gibt es einen riesigen Bildschirm aus LEDs, der wie ein Vorhang rauf und runter gelassen werden kann, vergleichbar mit dem bei Nine Inch Nails Konzert „Another Version Of The Truth“ (hier kostenlos zu beziehen). Dort wird dann beispielweise „The Book Of Love“ schön illustriert mit Strichzeichnungen eines Liebespärchen oder es ist in „Digging In The Dirt“ eine Kugel zu sehen die von links nach rechts springt und dazu auf den Leinwänden hinten ein Metronom tickt. Außerdem hat Gabriel sich eine spezielle Konstruktion bauen lassen auf der eine Kamera aus kurzer Distanz direkt auf ihn gerichtet ist, er trägt sie also mit sich rum und wird dabei gefilmt. Eigentlich ging es dabei speziell um ein 3D-Erlebnis von Peter Gabriel für die entsprechende 3D-Version des Konzerts, aber auf der normalen Blu-Ray finden sich ebenso einige Aufnahmen aus dieser Perspektive.

Dieses ganze Projekt ist typisch konsequent wie man es von Gabriel kennt, seine Band hat er einfach in den Urlaub geschickt. Neben Gabriel und Orchester stehen noch zwei Hintergrundsägerinnen auf den Brettern, Tochter Melanie und Ane Brun, die beide auch klangtechnisch als solche umgesetzt wurden, sprich im 5.1-Mix aus den hinteren Lautsprechern erklingen. Wenn ein Song aber mehr den Charakter eines Duetts hat, zum Beispiel „Downside Up“ zwischen Vater und Tochter, kommen beide Stimmen gleichberechtigt über die Front. Manchmal stechen die Sängerinnen wie kleine Wespen einem regelrecht in den Nacken („Intruder“) und überhaupt stellen sie das wohl kontroverseste Element dieses Konzerts dar, denn sie singen nur selten synchron und manchmal einfach unpassend und unangenehm auffallend. Das Orchester ist dafür phantastisch und seine Präzision und die tollen Arrangements von John Metcalfe nicht zuletzt in „The Rhythm Of The Heat“ und „San Jacinto“ grandios wahrzunehmen. In letzterem atmet Gabriel gezielt ins Mikrofon und auch bei anderen Songs platziert er kleine aber sehr wirkungsvolle Gesangsextras.

Das Bild der Blu-Ray ist teilweise sehr körnig, es ist zwar auch sehr dunkel im Hammersmith Apollo in London, aber einige verwendete Kameras scheinen eine weniger geeignete Optik für dunkle Bilder zu haben als andere. Ansonsten ist das visuelle Konzert eine deutlich bessere Wahl als die gleichnamige CD „New Blood“, mehr Songs wie das sehr gelungene „Biko“ und „Blood Of Eden“, vor allem aber die eigentliche und richtige Zusammenstellung und Reihenfolge der Songs. Das macht mehr aus als man zu glauben vermag.

Anspieltipps:

  • The Book Of Love
  • Darkness
  • Biko
  • San Jacinto
  • The Rhythm Of The Heat

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