Deep Purple - Live At Montreux 2011 - Cover
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Deep Purple Live At Montreux 2011


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 115 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Deep Purple ist und bleibt Classic Rock vom Feinsten, aber nicht mehr in seiner ursprünglichen Ausführung und Wirkungsweise.

Deep Purple haben eine enge Beziehung zu Montreux, nicht nur weil sie dort oft gespielt haben, deren bekanntester Song „Smoke On The Water“ ist dort im Jahre 1971 entstanden. Die alten Rockhasen unter euch werden die Geschichte längst kennen, aber die jüngere Generation nicht zwangsläufig. Im Dezember 1971 hielten sich die Musiker von Deep Purple in Montreux auf und arbeiteten an den Aufnahmen für das Album „Machine Head“. Während eines Auftritts von Frank Zappa hat ein übermotivierter Fan es geschafft den Veranstaltungsort, das Montreux Casino, in Brand zu setzen und Deep Purple wurden Zeugen davon. Der Rauch des abgebrannten Casinos, das eigentlich als Aufnahmeort dienen sollte, schwebte über dem Genfer See und begründete den Titel „Smoke On The Water“, der diese Geschichte verarbeitet.

Unglaubliche 40 Jahre später sind Deep Purple mit drei Mitgliedern aus der Anfangszeit wieder in der Schweiz und spielen beim Montreux Jazz Festival samt Orchester. Die Frankfurter Neue Philharmonie mit 38 Mitgliedern ist es auch, die das Konzert alleine eröffnet bevor die Band auf der Bühne erscheint und es nahtlos mit „Highway Star“ weitergeht. Es sprudeln mal wieder all die Rock-Klassiker hervor, Steve Morse in seinem Muskelshirt schüttelt ein Solo nach dem anderen aus dem nicht vorhandenen Ärmel und auch Don Airey mit dem Kugelbauch bearbeitet unermüdlich die für Purple so berühmte Schweineorgel. Don bekommt sogar gleich zwei Solo-Spots, zu Beginn von „Lazy“ und dann bei seinem „Don Airey Solo“, in dem er einige Zitate auspackt und das Orchester sehr schön einsetzt. Ian Paice trommelt problemlos auch mit über 60, nur der gute Ian Gillan ist mittlerweile sehr gewöhnungsbedürftig (oder war er das schon immer?). Sein Gesang klingt arg gequält und manchmal sehr herausgepresst, die Stimme macht einfach nicht mehr alles mit im Alter und so muss Ian einige Abkürzungen nehmen und Kompromisse eingehen. Trotzdem ist zum Beispiel das kleine Battle zwischen Ian und Steve, ein Dialog zwischen Stimme und Gitarre, am Ende von „Strange Kind Of Woman“ sehr nett anzuhören.

Das Orchester wird nicht durchgehend eingesetzt, es ist hauptsächlich zur Verfeinerung und zur Betonung einiger Passagen da, in einigen Songs bekommt es sogar eine vollständige Auszeit. Von den Songs sticht „Maybe I’m A Leo“ heraus, das eine bluesige Ader hervortreten lässt, und „Contact Lost“, das im Grunde ein einziges tolles Gitarrensolo von Steve Morse ist, begleitet von Orchester, bevor Ian zurück auf der Bühne erscheint und es direkt mit der Ballade „When A Blind Man Cries“ weiter geht. Ach ja, den guten Roger Glover haben wir vergessen, der in „Hush“ seine Bassseiten über den normalen Songrahmen hinaus malträtieren darf, sehr erfolgreich sogar. Relativ am Ende kommt es dann, das Riff des letzten Jahrhunderts, das zig tausend Gitarrenanfänger als erstes auf ihrem noch frisch geölten und unbenutzten Griffbrett gespielt haben (unter anderem auch Slash), „Smoke On The Water“. Alles schön und ganz nett, aber Nicht-Fans wird das kaum vom Hocker hauen und auch die Fans dürften einige Live-Aufnahmen der Herren im Regal stehen haben, es gibt mehr als genug davon. Neues Material wünschen sich die Fans wohl viel mehr als eine solche audiovisuelle Momentaufnahme.

An dem Bild als auch an dem Klang der Blu-Ray gibt es nicht zu beanstanden. Das ist alles sehr gut gelungen und gehört sich auch so für eine Band, die als Hauptdarsteller (Headliner) des Konzerts aufgetreten ist. Deep Purple ist und bleibt Classic Rock vom Feinsten, vielleicht nicht mehr in seiner ursprünglichen Ausführung und Wirkungsweise, dafür sind die Musiker mittlerweile doch sehr in die Jahre gekommen, bei den ca. fünf Jahre jüngeren Kollegen von Rush klappt das alles noch besser, aber die Kompositionen sind nach wie vor zeitlos und aus der Rockmusik nicht wegzudenken.

Anspieltipps:

  • Maybe I’m A Leo
  • Contact Lost
  • When A Blind Man Cries
  • Perfect Strangers
  • Black Night

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