Orphaned Land - The Road To OR Shalem - Cover
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Orphaned Land The Road To OR Shalem


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 195 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Never Ending Way Of ORWarriOR” (01/2010) stand ganz in der Tradition der vorangegangenen Veröffentlichungen der israelischen Progressive Metaller Orphaned Land. Eine Vielzahl an traditionellen Instrumenten wie Shofar (ein Horn, das im Judentum Anwendung findet), Santur (eine Art Hackbrett), Saz (eine türkische Laute), Bouzouki (eine Langhalslaute aus Griechenland), Chumbush (eine türkische Gitarre mit kreisrundem Korpus) oder Flöten sorgten für einen bunten Klangteppich, Kobi Farhi (Gesang), Yossi Sassi (Gitarre, Bouzouki), Matti Svatizki (Gitarre), Uri Zelha (Bass) und Matan Shmuely (Schlagzeug) für den metallischen Unterbau und Shlomit Levi als weibliche Sirene für zaghaft gesetzte, orientalische Farbtupfer. Ohne Frage, die Zeit war reif für ein umfassendes Live-Dokument der nationen- und grenzenüberschreitenden Formation.

„The Road To OR Shalem“ (OR Shalem bedeutet vollkommenes Licht) nennt sich nun das erste offiziell veröffentlichte CD/DVD-Package, welches nahezu keine Wünsche offen lässt. Auf der ersten DVD bestreiten Orphaned Land mit ihrer aufgestockten Live-Band (Roei Friedman (Perkussion), Tzahi Ventura (Flöten) und Tomer Mizrahi an der Bouzouki) ein 2-stündiges Live-Konzert in Tel Aviv am 10. Dezember 2010, DVD 2 erweitert den Mitschnitt um sechs weitere Songs, eine halbstündige Banddokumentation namens „Vayehi Or - 20 Years Of Journey“, die das Metalgespann von den Anfängen als Death Metal Band Resurrection bis zum aktuellen Album „The Never Ending Way Of ORwarriOR“ anhand von Interviews mit der Band und den Fans, sowie mit Ausschnitten von Festivals und Konzerten beleuchtet, Video Clips zu „Sapari“ , „Ocean land“ und „Norra el Norra“ und eine etwas dürftige Photogallerie mit sieben Bildern, die im Zuge des „Beauty Saves The World“-Projekts entstanden sind, während die CD logischerweise den Live-Mitschnitt (leicht gekürzt) als Audiofassung beinhaltet.

Abgemischt von Jens Bogren (Paradise Lost, Amon Amarth, Soilwork) ist die Live-Aufnahme im Dolby Digital 5.1-Format jedoch leider fast unbrauchbar, da Kobi Farhi viel zu dominant in den Vordergrund tritt und die restlichen Instrumente trotz ihrer Räumlichkeit dadurch an Strahl- und Durchschlagskraft verlieren. Da die beiden Stücke „M I ?“ und „The beloved´s cry“, in denen Steven Wilson (Porcupine Tree) einen von mehreren grandiosen Gastauftritten dieses Abends absolviert, diesen Makel nicht besitzen, weil sie von Wilson selbst betreut und abgemischt wurden, lässt sich nur schlussfolgern, dass Bogren hier schlicht und ergreifend schlampig gearbeitet hat. Zum Glück geht der 2.0-Mix in Ordnung, für eine in 2011 veröffentlichte Live-DVD ist dies allerdings nicht tragbar und bedeutet einen ordentlichen Punkteabzug.

Am Konzert selbst gibt es hingegen kaum etwas zu meckern. Mit Schwerpunkt auf dem letzten Longplayer spielen Orphaned Land eine grandiose Trackliste, die mit 2 1/2 Stunden Spielzeit (nimmt man die sechs Bonussongs der zweiten DVD hinzu) herkömmliche Veröffentlichungen auf diesem Sektor mühelos übertrumpft. Natürlich werden neben der Musik auch politische Themen angeschnitten, Kobi lässt sich die mitgebrachten Flaggen der Fans zeigen, die von Israel über Griechenland und England, bis hin zu Mexico und Argentinien reichen und mehrmals wird der Wunsch geäußert eine Metalhead-Synagoge zu erschaffen, was mit Beifall goutiert wird, abgesehen davon herrscht jedoch vor allem der Eindruck vor, einer einzigartigen großen Feier beizuwohnen, bei der jede Religion, Nationalität und Sprache willkommen ist, was sich nicht nur in den zahlreichen Gastauftritten von Tomer Jones („Codeword: Uprising“), David, Yossis Vater („Norra el Norra“), Yehuda Poliker („Halom Layam Hatihon“, „Bakapaim“, „The path - Treading Through Darkness“) oder dem bereits erwähnten Steven Wilson bemerkbar macht, sondern auch an der lockeren Umgangsweise mit dem Publikum und der multilingualen Verständigung (Englisch, Hebräisch, Arabisch und Jemenitisch) zu Tage gefördert wird. Kurzum: Ein technisch nicht ganz einwandfreies, dafür umso mitreißenderes und mit wichtiger Message ausgestattetes Zeugnis einer einzigartigen Band.

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Shehili
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