Liz Green - O, Devotion! - Cover
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Liz Green O, Devotion!


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ja, die Hingabe. Gefeiert sei sie, wie Liz Greens famoses Debütalbum über jene. Was lange währt, wird endlich gut. Hierbei, versprachen die 7"-Singles „Bad Medicine“ und „Midnight Blues“ von immerhin schon 2007 und 2008 einiges.

Liz Green hat nicht zuviel versprochen und legt mit „O, Devotion!“ ein außerordentlich schönes, freigeistiges und kaum rubrizierbares Album hervor. Doch der Job will ja erledigt sein: was ist das also für bezaubernd seltsame Musik, die Liz Green hier vorlegt? In ihrer gelassenen und ruhigen Machart steht die Singer/Songwriterin natürlich dem Folk sehr nahe, doch ist „O, Devotion“ kein Folk-Album, zu divers gebärt sich ihr Klangkosmos dafür. Wir hören den ewigen Blues genauso wie Brecht/Weillsches Kabarett (um einiges authentischer als bei den selbsternannten musikalischen Weil-Erben der Dresden Dolls), wie spüren den exzentrischen und gleichsam unterhaltenden Charakter der Vaudeville-Songs und werden beständig umweht vom Funeral Jazz der langsameren Spielart aus New Orleans.

Irgendwo zwischen Folk, Blues, Jazz und Vaudeville also blüht die exaltierte Lyrik der 28-jährigen Liz Green, einer endlich wieder echten Poetin im Musikgeschäft, beheimatet in Manchester, auf und lässt eine Welt entstehen aus symbolischen Mensch-Tier-Mischwesen, Wanderpredigern und Morddramen, die einen definitiv entrücken lässt aus einer Gegenwart voller Apples, Rettungsschirme und Atomstromdebatten. Dass der Vorwurf des Ausverkauf des Gestern, dem Reiten auf den Retro-Wellen zwischen Winehouse und Del Rey, nicht verstummt, ist kein Wunder solange den wiederbelebten Retro-Genres kein Mehrwert hinzugefügt wird, wie bei den allermeisten dieser Pop-Acts der Fall. Liz Green ist fein raus aus diesen Debatten, an ihrer gestrigen Musik ist einfach alles neu, nicht zuletzt aufgrund der langen Suche nach der adäquaten Hilfe bei der Umsetzung von „O, Devotion“ und der dafür gefundenen Lösung. In den anaologen Toe Rag Studios von Liam Watson in London reifte schon „Elephant“ der White Stripes zu ihrem vielleicht wichtigsten Werk und zu einer Erneuerungsleistung des Rock. Ihm ist der nächste Produzentenstreich gelungen mit „O, Devotion“ von Liz Green, einem schwer fassbaren Werk aus einer Zeit, die es so niemals gab.

Tuba, Trompeten, Gitarren, Piano, und vor allem, die richtigen Worte, mehr brauch es nicht für diese Verzauberungsleistung, die sich ausnahmslos durch das gesamte Album zieht, auch wenn die alten Singles im neuen Aufnahmegewand sich zuerst in die Gehörwindungen nisten, machen der „Displacement Song“ oder „Rag & Bone“ oder „Luis“ genauso staunend über so spielerische und besonnen erreichte Verzückung. Liz Green ist eine Wohltat für das kritische Retro-Bashing der letzten Zeit und der vermeintlichen Krise des Pop. Wo ist eigentliche das Problem daran, dass sich der Pop selbst zitiert? In historischeren Bahnen gedacht, sind all die Genres, die vor 50 oder mehr Jahren ihren ersten Höhepunkt hatten, gerade erst passiert.

Anspieltipps:

  • Bad Medicine
  • Midnight Blues
  • Displacement Song
  • Hey Joe
  • Luis
  • The Quit
  • Ostrich Song

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