Vierkanttretlager - Die Natur Greift An - Cover
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Vierkanttretlager Die Natur Greift An


  • Label: Unter Schafen/ALIVE
  • Laufzeit: 38 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Für Freunde von Turbostaat ist der gewollt dreckig-rockige Ansatz des Quartetts lediglich lauwarm. Für die Indie-Szene ist es dagegen wohl fast schon wieder zu dreckig.

Äußerlich lassen sich Vierkanttretlager eher mit dem neuen Sport-Album vergleichen und auch der Stil passt. Doch hinter den Indie-Klängen und dreckigen Gitarren ergibt sich etwas, dass fast an ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead erinnert. Am Ende steht allerdings ein Album, das als Höhepunkt ein Gedicht nennt. Sind das nun Anzeichen für moderne Kunst oder ist das Album so mausgrau wie das Cover?

Die Wahrheit liegt wie im wahren Leben irgendwo in der Mitte. Die schrammelnden Gitarren und der leere Gesang aus der Kehle ist die Modeerscheinung der neuen deutschen Bands, die Tomte nachahmen. Ob Thees Uhlmann wusste, was er da angerichtet hat? Im Gegensatz zur nachdenklichen Stimme Uhlmanns wollen Vierkanttretlager jedoch cool und ein wenig gleichgültig klingen. So wirkt es zumindest, wenn von Windparks, Hufen statt Füßen und über Hooligans gesungen wird. Der Gastauftritt von Casper kann übrigens getrost übersehen werden. Mehr als Fanservice bietet der Kurzauftritt während „Hooligans“ nicht.

Stattdessen weiß man oft gar nicht mehr, wie man den aufdringlichen, aber nicht eingängigen Gitarren des Albums entkommen soll. Der Garagen-Madsen-Sound kann immer nur in wenigen Momenten überzeugen und machen es oft zu einer Herausforderung, sich auf die eigentliche Stärke der Band zu besinnen: die Texte! Vierkanttretlager schaffen es immer wieder interessante Themen anzusprechen. Hinter den abstrusen Themen wie Windparkeröffnungen verstecken sich oft Lieder von Einsamkeit, illusorischen Lebenszielen und Zusammenhalt („Hooligans“) auf einer anderen Ebene. Wirklich konzentrieren kann man sich ohne Störgeräusche (andere nennen es Musik) nur beim Gedicht „In Jedem Seiner Milden Blicke“, welches die lyrischen Fertigkeiten der Band schmeichelnd unterstreicht.

Der Streitpunkt bleibt der musikalische Ansatz. Für Freunde von Turbostaat ist der gewollt dreckig-rockige Ansatz des Quartetts lediglich lauwarm. Für die Indie-Szene ist es dagegen wohl fast schon wieder zu dreckig. Es wird darauf ankommen, ob die mitsingbaren Hooklines (z.B. das Hallo in „Nur Die Sonne“) die Indie-Gemeinde mitreißen. Denn wenn niemand zu diesen Botschaften tanzen will, dann wird es kritisch sich nach weiteren Stärken umzuschauen.

Anspieltipps:

  • Drei Mühlen
  • Hooligans
  • Nur Die Sonne
  • In Jedem Seiner Milden Blicke

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