Professor Green - At Your Inconvenience - Cover
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Professor Green At Your Inconvenience


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 66 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Vergangenheit loslassen ist nicht immer leicht. Besonders Liebhaber des Hip-Hops/Raps werden den Namen Marshall Mathers nicht so schnell vergessen. Ein weißer Junge, der das Gebiet der afro-amerikanischen Vorherrscher ordentlich aufmischte und als Zögling Dr. Dres selbst später als Eminem mit 50 Cent selbst kurzzeitig einen Kronprinz für das Genre ernannte. Noch heute ist die immer angepisste, aber auch nachdenkliche Stimme und Art des kontroversen Künstlers eine echte Marke.

2010 griff sich der junge Brite Stephen Paul Manderson ein Herz und ehrte sein ohrenscheinliches Vorbild mit seinem Debütalbum „Alive 'Till I'm Death“. Auch wenn das Debüt des ebenfalls weißen Rappers bis in die Top3 der britischen Charts kam, konnte niemand verneinen, dass es sich bei Professor Green, so der Künstlername Mandersons um einen Nachahmer handelte. Was auf dem Debüt noch als Tribut gesehen werden konnte, der mit DubStep, Drum'n'Bass und Grime angereichert wurde, muss sich beim zweiten Mal mit „At Your Inconvenience“ allerdings der Wirklichkeit stellen.

Das Album beginnt wie eine große Blaupause, die sich bei den Charts der letzten 15 Jahre bedient. Der Titeltrack ist ein Song, der den Zeitgeist Marshall Mathers noch getroffen hätte, aber heute schlichtweg zu spät kommt. Eine blasse Kopie ohne catchy Melodie und keinem aufreibenden Text. Weder unbequem noch zeitgemäß gibt das Lied weiter an „D.P.M.O.“, welches von der Art her von genanntem Eminem-Nachfolger 50 Cent hätte sein können, nur um in der Vorab-Single „Read All About It“ zu Eminems noch gar nicht so alter Kollaboration mit Rihanna zurückzukehren. Eigene Ideen sehen anders aus.

Die poppige Crossover-Nummer „Trouble“ mit Drum'n'Base gibt keinen starken, aber einen ersten originären Eindruck ab, der in „Spinning Out“ gleich wieder zunichte gemacht wird. Nur weil Professor Green mit einem INXS-Sample groß geworden ist, muss dies kein anhaltender Trend sein, der jetzt The Pixies mit „Where Is My Mind?“ rezitieren muss. Zu lang und im Refrain wie auf Downern verliert der Song mit jeder Sekunde an Bedeutung. Natürlich ist das Original aber klug gewählt, da man als Hörer der eingängigen Melodie gerne vergibt. Bis einschließlich „Avalon“ verliert der Sound des Professors weiterhin an eigener Natur, da die immer gleichen weiblichen Künstler als Support die nächste Chart-Single aus ernst gemeintem HipHop machen.

Die traurige Wahrheit ist, dass man sich blenden lassen möchte von beiden Seiten der Medaille der Lieder. Die Strophen mimen den toughen Kämpfer und gleichzeitig romantisieren die meist von Frauen gesungenen Refrains den Sound der Stücke, um das Album Massen tauglich zu machen. Vom schwachbrüstigen DubStep in „How Many Moons“ wollen wir gar nicht erst anfangen. Es offenbart sich ein Frankensteinmonster, das zu keinem Zeitpunkt weiß, welche Art von Stimmung es vermitteln soll. Aber zum Glück klammern sich Hörer weiterhin einen leicht zugänglich Sound, der uns nicht nachdenken lassen muss, da die Konsequenz der Strophe vom Chorus ausgemerzt wird und andersrum. Die Einsprecher à la Eminem und die vielen Pop/Cross-Hymnen offenbaren die Angst vor einem eigenen Ansatz, der den Massen weh tun könnte, wollen es allen recht machen und schwirren so einfach nur belanglos, wenngleich solide gemacht, durch den Raum.

Anspieltipps:

  • At Your Inconvenience
  • Trouble
  • Avalon

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