Silbermond - Himmel Auf - Cover
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Silbermond Himmel Auf


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit ihrem Erfolg haben Silbermond ihre Konkurrenz längst abgehängt und sich zu einem leichten Ziel für Kritiker gemacht.

Die Band Silbermond zählt mit mehr als 3,5 Millionen verkauften Tonträgern zu Deutschlands größten kommerziellen Zugpferden. Das wird wieder einmal so richtig deutlich, wenn man sich die vielen verschiedenen Konfigurationen ansieht, in denen der neue Longplayer „Himmel auf“ erscheint. Die Zählung läuft am Ende auf ein halbes Dutzend unterschiedliche Versionen hinaus, mit denen auch der letzte potenzielle Käufer eingefangen werden soll. Diese Form der Vermarktung macht die aus Bautzen stammende Gruppe angreifbar, was sie aber locker verkraften wird. Denn mit ihrem Erfolg haben Silbermond ihre Konkurrenz längst angehängt und sich zu einem leichten Ziel für Kritiker gemacht.

Der Pressewaschzettel zum vierten Silbermond-Album fällt auffallend üppig aus. Denn, wie wir erfahren, stand „am Anfang zu ‘Himmel auf‘ der Wille nach Veränderung, die Lust auf Neues, die Aussicht auf Abenteuer.“ Davon ist nach fast einer Stunde Spielzeit bis auf ein paar elektronische Spielereien mit Samples, Loops und Effekten allerdings nicht viel zu hören („Waffen“). Silbermond haben ihren erfolgsverwöhnten Sound grundsätzlich beibehalten und sich eine hörbar fette Breitwandproduktion gegönnt. Böse Stimmen hören darin „Befindlichkeitstexte im poppigen Konsensmantel“, die in der Tat zu einem Markenzeichen für das Quartett geworden sind.

Auch heuer kommt Frontfrau Stefanie Kloß nicht darum herum, plakative Formeln und Durchhalteparolen in den Mantel ihrer einschmeichelnden Stimme zu legen. Und weil dazu meistens eine Melodie erklingt, die sofort ins Ohr geht (z.B. mit reichlich Ohohoho-Refrains zum Mitsingen in den Fußballstadien dieser Republik), besitzen wieder genügend Stücke auf „Himmel auf“ das kommerzielle Potenzial, um die Erfolgsstory von Silbermond auch in 2012 weiterzuführen.

Das, was daran auf Dauer etwas nervt: Silbermond meinen all das, wovon sie singen und mit theatralischen Arrangements unterlegen, ausnahmslos ernst. Für Ironie oder ein Augenzwinkern bleibt da kein Platz, was dann mitunter wie im Song „Ja“ ausartet, der handwerklich versucht wie aus der Feder Herbert Grönemeyers auf seinem „Mensch“-Album (08/2002) zu klingen.

Der Versuch anders zu klingen ist kaum mehr als ein Versuch geblieben. Klar, könnte man sich auf die wenigen Beispiele wie die tiefen Bässe in „Du fehlst hier oder die wabernden Marillion-Gitarren in „Wofür“ stürzen. Doch unterm Strich bleiben wieder die typischen Midtempo-Stücke („Irgendwo in der Mitte“) und Megaballaden („Weiße Fahnen“) sowie der gestiegene Bombast á la Coldplay und U2 („Für dich schlägt mein Herz“, „Ans Meer“, „Es geht weiter“, „Das Gute gewinnt“) hängen. Diese Mittel beherrschen Silbermond inzwischen wie kaum eine zweite Band in Deutschland. Damit beschallen sie die größten Arenen und verkaufen Platten wie geschnitten Brot. Nach drei Jahren Pause und einem Album wie „Himmel auf“ weiß der Hörer wieder warum das so ist.

Anspieltipps:

  • Himmel auf
  • Weiße Fahnen
  • Das Gute gewinnt
  • Unter der Oberfläche
  • Irgendwo in der Mitte

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