Bruce Springsteen - Wrecking Ball - Cover
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Bruce Springsteen Wrecking Ball


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 62 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn Bruce Springsteen eine Vorabsingle mit dem klassischen E-Street-Sound und eindeutiger Message auf den Markt bringt, sollte auch der Letzte wissen, was das Stündlein geschlagen hat.

Wenn Bruce Springsteen eine Vorabsingle mit dem klassischen E-Street-Sound und eindeutiger Message („We take care of our own“) auf den Markt bringt und im Booklet sowie auf dem Cover seines neuen Albums „Wrecking Ball“ mit kämpferischen Gesten nur so wuchert, dann weiß der erfahrene Hörer, dass der Boss ein dringendes (meist politisches) Mitteilungsbedürfnis hat. Und wenn dann auch noch Tom „The Nightwatchman“ Morello (u.a. Rage Against The Machine, Audioslave), der ebenfalls als Politaktivist bekannt ist, an der Gitarre mitwirkt, sollte auch der Letzte wissen, was das Stündlein geschlagen hat.

Dass es Amerika wirtschaftlich alles andere als gut geht und auch sonst jede Menge im Argen liegt, darf auch den Europäern getrost Angst machen. Denn kommt ein Riese wie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ins Straucheln, löst dies vermutlich eine nicht mehr zu steuernde Kettenreaktion aus, deren Folgen unabsehbar sind. Es ist also an der Zeit zu handeln. Die Arbeiterklasse muss das Heft selbst in die Hand nehmen und das Feld nicht mehr den viel zu mächtig gewordenen Bankriesen und Politikern überlassen.

Von dieser Thematik angetrieben, zeigt sich Bruce Springsteen (62) auf seinem 17. Studioalbum entsprechend bissig, engagiert und musikalisch abwechslungsreich. Der Boss haut nicht wie auf „The Rising“ (2002) einen Riffrocker nach dem anderen raus und suhlt sich auch nicht wie zuletzt auf „Magic“ (2007) und „Working On A Dream“ (2009) in wattierten Pop-Produktionen, sondern liefert eine erdige Performance ab, die sich u.a. ausgiebig in der Schublade des Irish-Folk (!) bedient.

So sind Titel wie die stampfenden, von Fiddle-, Akkordeon- und Whistle-Klängen sowie einem wuchtigen Chor getragenen „Easy money“, „Shackled and drawn“ und „Death to my hometown“ kraftvolle Wachrufe an die Adresse eines taumelnden Landes, das in dem musikalisch einem Trauermarsch gleichkommenden „Jack of all trades“ scheinbar zu Grabe getragen wird. Doch so weit sind wir noch nicht! „American land“ reißt den Hörer in bester The-Pogues-Manier mit, der hymnischer Titeltrack stachelt den Hörer mit feurigen Bläserriffs an und das pathetisch-eindringliche „This depression“ legt den Finger mit dem Wunsch nach Heilung in die Wunde.

Im letzten Drittel überrascht Bruce Springsteen dann noch mit dem von dezenten Loops und einem kurzen Rappart von Michelle Moore angereicherte „Rocky ground“, das atmosphärisch an „Streets of Phildaelphia“ erinnert und damit eine weitere Facette aus dem musikalischen Kosmos Springsteens‘ aus dem Hut zaubert, der sich auf „Wrecking Ball“ so angriffslustig und mitreißend präsentiert, wie lange nicht mehr.

Anspieltipps:

  • Rocky ground
  • Wrecking Ball
  • American land
  • Death to my hometown
  • We take care of our own

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