Nerina Pallot - Year Of The Wolf - Cover
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Nerina Pallot Year Of The Wolf


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

So geschmeidig, erwachsen und ehrlich sollte Popmusik immer sein.

Hallo Deutschland! Während wir uns abermals mit Casting-Shows aller Art versuchen zu blamieren, gibt Großbritannien den Takt vor. Wir versuchen ins weiterhin im Fernsehen einreden zu lassen, wie viel Gefühl der Nachbar von Nebenan plötzlich zu haben scheint. Egal, ob wir ihn letzte Woche fürs Singen unter der Dusche noch steinigen wollten. Aber anscheinend benötigt es immer erst eine Tragödie, damit Menschen zum Besseren finden. Ohne Stellung zu Amy Winehouse zu nehmen, muss man ihr dankbar sein. Ihr souliger Retro-Pop hat dafür gesorgt, dass sich die Nachwuchsmusiker wieder Gedanken machen, wonach ihre Musik klingen soll. Rihanna hat unlängst bewiesen, dass es einfach nur tanzbar sein soll und auch Lady Gaga darf eher auf dem absteigenden Ast gesehen werden.

Adele hat noch zu Lebzeiten Winehouses geziegt, wie gut Pop-Musik sein kann und wie durchdacht die Arrangements in moderner und erfolgreicher Popmusik sein können. Auch wenn Kritiker sie als Kopie Amy Winehouses hätten betiteln können, war die Qualität der jungen Frau nicht wegzureden. Jetzt nimmt sich Nerina Pallot der Aufgabe an, das Fundament des neuen alten Pops zu stärken. Ihr inzwischen viertes Album „Year Of The Wolf“ trifft plötzlich den Zeitgeist mit seinem Motown-Ansatz und viel guter Laune. Die 36jährige ist kommerziell schon immer im Mittelffeld gewesen und auch dass sie jetzt Star-Coach bei „The Voice Of Germany“ ist, scheint ihre Qualität nicht unbedingt anzuheben. Doch zu schnell geurteilt, wer jetzt schon Schlüsse zieht. Der Mix aus intimen Balladen mit ordentlich Motown-Feeling dank Gitarren und Rhythmus fängt den Hörer von der ersten Sekunde an.

Gerade wenn der Opener „Put Your Hands Up“ „ganz okay“ scheint, legt der Song den zweiten Gang mit Bläsern ein und wischt mit dem Hörer den Boden auf. Und dieser genießt das auf ganzer Linie. Zusammen mit „Turn Me On Again“ bildet sich gleich zum Auftakt ein Gefühl von angenehmen Retro, der Ergänzung und Konkurrenz gleichzeitig für die Liebhaber Winehousescher Musik darstellt. Der ganz andere Einschlag in eher rockige Gefilde lässt keine großen Parallelen zu Winehouse und Adele zu, aber die Machart. So echt hat sich Pop in den letzten Jahren selten angehört wie zum Beispiel in „Butterfly“. Allein während „This Will Be Our Year“ kommen Soul-Reminiszenzen zum Vorschein. Ansonsten ist der Mix aus Motown und leichtem Pop vorherrschend und findet ungewöhnlich positiven Zugang, der während „I Think“ sogar an Everybody's Darling erinnert.

Bei so einer bunten Mischung aus ernsthaft präsentiertem, aber immer aufmunterndem Pop dürfen minimalistische Balladen natürlich nicht fehlen, die besonders mit der Stimme Pallots arbeiten. Nerina Pallot schafft es auch problemlos Songs wie „Grace“ und „If I Lost You Now“ fast ausschließlich mit ihrer Stimme zu tragen. Wo man auch nach Makeln sucht, „The Year Of The Wolf“ macht es einem verdammt schwer. Radio-Ohrwürmer, ehrliche Balladen, gute Melodien und Abwechslung: das alles gibt das neue Nerina-Pallot-Album her.

So geschmeidig, erwachsen und ehrlich sollte Pop immer sein und auch wenn der kommerzielle Erfolg Pallot noch nicht mit Adele gleichstellt, hat sie sich nicht mehr zu verstecken. „The Year Of The Wolf“ wirft schon im Februar 2012 einen weiten Schatten und ist ein Anwärter auf diverse Hitlisten des Jahres!

Anspieltipps:

  • I Think
  • Put Your Hands Up
  • Grace

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