Sean Paul - Tomahawk Technique - Cover
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Sean Paul Tomahawk Technique


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Zahm, ohne Angriffslust und ohne Biss verkommt die fünfte Platte von Mr. Henriques zu einem Trittbrettfahrer aktueller Trends.

Der King des Dancehall-Reggae ist zurück! Vor allem um zu beweisen, dass er keineswegs zum alten Eisen gehört und dem Electro-Boom (David Guetta, Avicii, Lmfao) noch einiges entgegen zu setzen hat. Passend zur Veröffentlichung seines fünften Studioalbums „Tomahawk Technique“ legt sich der geborene Jamaikaner folglich einen auffälligen Irokesenschnitt zu und schleudert die erste Kampfansage in Richtung Dancefloor, die sogleich den Titel der Platte näher erläutert: „Wenn ich im Studio oder auf der Bühne bin, fühle ich mich wie eine Lyric-Axt, wie eine fliegende Musikwaffe!“ Die Häupter seiner Feinde wird Sean Paul damit alleine jedenfalls nicht spalten, dafür drehen sich die Texte ein wenig zu sehr um das weibliche Geschlecht. Ist aber auch egal, schließlich war Mr. Henriques noch nie für tiefgreifende Sozialkritik bekannt und in den Charts zwischen Shaggy und Beenie Man besser aufgehoben als im Kulturteil der Süddeutschen.

Dies beweist unter anderem das für „Tomahawk Technique“ verpflichtete Songwriter- und Produzententrio, bestehend aus dem Team Stargate (Rihanna, Chris Brown, Ne-Yo), Benny Blanco (Katy Perry, Justin Bieber, Kesha) und Rico Love (Natasha Bedingfield, Kelly Rowland, Keri Hilson, Usher), das Sean Paul einen minimalistischen, aber druckvollen Sound spendiert hat. Da geht es dann mit der ersten Singleauskoppelung „Got 2 Luv U“ gemeinsam mit Alexis Jordan in die zweite Runde von Rihannas „Te amo“, „She doesn´t mind“ orientiert sich mit normalem Gesang und höherem Popanteil an jugendlichen Chartstürmern wie Jason Derulo, Flo Rida, Taio Cruz, Usher, Ne-Yo oder Chris Brown und mit schunkeligen Balladen („Dream girl“, „Hold on“) sorgt der Dutty Rocker für eine große Wohlfühlpackung Schmalz, die an Dancehall-Versionen von One Republic oder Owl City-Songs erinnern. Man kann es schon erahnen, Originalität ist nicht unbedingt eine große Stärke von „Tomahawk Technique“.

Wäre dies noch einigermaßen zu verschmerzen, so sind es im weiteren Verlauf die biederen und handzahmen Versuche mit ausgefallenen Beatinfernos („Body“), schwach flackernden Stroboskoplichtern („What I want“) oder erzwungener Partyatmosphäre mit Handclaps und Fanfaren („Won´t stop (Turn me out)“) im aktuellen Musikzirkus relevant zu bleiben oder anhand von Wiedererkennungswert einer dürftiger Coverversion („How deep is your love“) einen Platz in den internationalen Hitparaden zu ergattern. Gegen die penetrant ohrwurmtauglichen Singles einer Rihanna hat Mr. Henriques damit jedenfalls keine Chance. Am Besten gefällt der frisch gebackene Irokese ohnehin dann, wenn er in seinem Metier bleibt und feinsten Partydancehall zelebriert („Roll wid di don“) oder dem Hörer zeigt, wo die Mädels in ihren knappen Bikinis auf ein paar tanzwütige Jungs warten („Wedding crashers“) und nicht wenn Electrobeats im Afrojack-Style über seine Toasts poltern („Touch the sky“).

Fazit: Zahm, ohne Angriffslust und ohne Biss verkommt die fünfte Platte von Mr. Henriques zu einem Trittbrettfahrer aktueller Trends im Dancehall-Kleid. Wenn „Tomahawk Technique“ mal Laune macht, dann geschieht dies stets ordentlich und treffsicher, diese Momente halten sich allerdings leider in Grenzen.

Anspieltipps:

  • Roll Wid Di Don
  • She Doesn´t Mind
  • Wedding Crashers

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