Taproot - The Episodes - Cover
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Taproot The Episodes


  • Label: Victory Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit Konzeptalbum, Microsofts Sam und einem Tupfer Deftones raus aus dem Kreativitätsloch.

Nach „Plead The Fifth“ (05/2010) mussten Fans der vor 15 Jahren gegründeten Nu Metal-Hoffnung Taproot schwer schlucken. Allzu aggressiv, uninspiriert und überladen gebärdete sich der fünfte Longplayer der Herrschaften Stephen Richards (Gesang, Gitarre), Mike DeWolf (Gitarre), Phil Lipscomb (Bass) und Nick Fredell (Schlagzeug), sodass man lautstark Vermutungen über das scheinbar abhanden gekommene Talent, eingängige, hochmelodische Songs mit harten Rockgitarren zu schreiben, anstellten musste, reichte der Vierer dem sterbendem Genre mit „Blu-Sky Research“ (08/2005) immerhin so etwas wie einen Rettungsanker und entwarf zudem eines der sensibelsten Metalalben seines Jahrganges.

„The Episodes“, ein, laut Aussage der Band, sechs Jahre in Arbeit befindliches Konzeptwerk über „Verständnis und verstanden werden“ soll diesen groben Schnitzer nun ausbügeln, wenn nicht sogar ungeschehen machen. Nach der über den Hörer hereinbrechenden Soundcollage aus Geschrei, Hörspielelementen, wild um sich schlagenden, metallischen Eruptionen, besänftigenden Parts und einem ausgedehnten Beitrag von Microsofts Sprachsynthesizer Sam, der hiermit übrigens nicht seinen ersten und letzten Auftritt absolviert hat (!!!), im Opener „Good morning“ möchte man allerdings am liebsten schreiend davon laufen und besser nicht erkunden, was Taproot in den letzten Jahren im stillen Kämmerlein ausgeheckt haben.

Eine komplette Umdrehung später darf jedoch konstatiert werden: „The Episodes“ ist beileibe kein Meilenstein, aber wenigstens bewegen sich Taproot wieder in die richtige Richtung. Eine Nummer wie „Around the bend“ mutiert mit anschwellendem Gestus und Deftones-Stimmung zu einem gelungenen Höhepunkt, „No surrender“ orientiert sich an der Hochphase der Band und lässt die auf dem Vorgänger schmerzlich vermissten Melodien aufblitzen und sogar „The everlasting“ hinterlässt trotz mäßig spannendem Akustikgeklimper einen größeren Eindruck als die ungehobelte Haudrauf-Attitüde des Vorgängers. Leider halten Taproot diesen Kurs nicht die gesamte Laufzeit über bei, sodass erneut ziellos vor sich hin mäandernde Kompositionen („We don´t belong here“), heilloses Durcheinander („A kiss from the sky“) oder bemühte, aber unterm Strich nichtssagende Songs („Strange & fascinating“) den Gesamteindruck trüben.

Dafür sorgt im Gegenzug die gern verwendete Laut/Leise-Dynamik für ein paar hoffnungsvolle Farbtupfer („Lost boy“, „Memorial park“), selbst wenn der fehlende, letzte Kick schlussendlich höhere Anerkennungen verwehrt. Wie dem auch sei, „The Episodes“ bringt Taproot wieder in die Spur und lässt hinhören statt abschalten. Ob die Band jemals wieder an ihre alten Glanzzeiten anschließen kann, darf zwar weiterhin bezweifelt werden, nach dem aktuellen Werk muss man sich aber wenigstens nicht mehr schämen, die vier Herrschaften drei Alben zuvor seinen Freunden empfohlen zu haben.

Anspieltipps:

  • No Surrender
  • The Everlasting
  • Around The Bend

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