Kissin´ Dynamite - Money, Sex & Power - Cover
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Kissin´ Dynamite Money, Sex & Power


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Unter dem Motto „Money, Sex & Power“ stellt man sich etwas anderes vor, als die in Musik kanalisierte Aufforderung zum Schwenken eines Dosenbiers.

Nach dem Einstand als „Steel Of Swabia“ (07/2008) und der offenherzigen Bekenntnis „Addicted To Metal“ (03/2010) geht es für die Reutlinger Jungs von Kissin´ Dynamite auf ihrem dritten Werk dem mittlerweile volljährigen Altersdurchschnitt entsprechend um „Money, Sex & Power“. Johannes (Gesang) und Ande Braun (Gitarre), Jim Müller (Gitarre), Steffen Haile (Bass) und Andi Schnitzer (Schlagzeug) präsentieren sich zudem für die Promotion ihres aktuellen Albums mit stolz geschwellter, nackter Brust und erinnern damit nicht nur musikalisch an die prollige Fleischbeschau von Mötley Crüe und Konsorten aus den lüsternen 80er Jahren.

Stilistisch bleiben Kissin´ Dynamite demzufolge beim alten Eisen und legen erneut eine rifflastige Melange aus Iron Maiden, Manowar, AC/DC, Guns N´ Roses, den bereits erwähnten Herrschaften rund um Nikki Sixx, sowie deutschen Urgesteinen wie Scorpions, Accept oder Udo Dirkschneiders Soloausflügen als U.D.O. vor. Daraus entstehen dann entweder hart rockende Groovekapazunder („I will be king“), mäßig spannende Midtemposchunkler („Operation supernova“) oder hymnisch angelegtes Mitsing-Material, das dieses Mal allerdings etwas lieblos und aufgesetzt wirkt („Sex is war“, „Dinosaurs are still alive“, „Sleaze deluxe“), fast so als wäre den fünf Jungs als Entschädigung für die nicht vorhandene Weiterentwicklung nichts Besseres als ein in die Länge gezogenes „Waaaaaaaaaar“ oder „We are, we are, we are“-Schlachtrufe eingefallen.

Positiv hervorzuheben ist der Versuch mit „Club 27“ (gemeint sind damit Musiker wie Jim Morrison, Janis Joplin, Kurt Cobain oder jüngst Amy Winehouse, die mit 27 Jahren Selbstmord begangen oder auf andere tragische Art und Weise ihr Leben verloren) oder dem gegenüber bestimmten Politikern kritisch eingestelltem Titeltrack (ein mehrmals gestöhntes „Bunga, Bunga“ sollte als Erklärung hierfür reichen) ernstere Themen als in der Vergangenheit anzusprechen. Das bedeutet zwar nicht, dass „Money, Sex & Power“ damit ein Sprachrohr für die sozial unterdrückten Massen bildet und tiefgründig philosophische Abhandlungen über die Karriere eines Musikers bereit hält, aber zumindest der Wille inmitten des angestrebten, feuchtfröhlichen Party-Hardrocks zählt.

Im Großen und Ganzen fehlt es dem neuesten Longplayer aus dem Hause Kissin´ Dynamite nämlich am Biss der Vorgänger. Paradigmatisch hierfür plätschert „She´s a killer“ gemütlich vor sich hin und „Ego-Shooter“ ist ein weiterer 1000-fach gehörter Stampfrocker, während gerade der mit Abstand auffälligste Track „Six feet under“ den ganzen Hardrockgebärden seinen Rücken kehrt und als relaxter Popsong dem Sonnenuntergang entgegen schlendert. Gewagt, gut, aber als Rausschmeißer reichlich spät um noch ein paar Pluspunkte einzuheimsen. Somit bleibt es bei einem maximal durchschnittlichen Werk der Reutlinger, das dringend ein paar zwingende Ideen nötig gehabt hätte. Unter dem Motto „Money, Sex & Power“ stellt man sich ohnehin etwas anderes vor, als die in Musik kanalisierte Aufforderung zum Schwenken eines Dosenbiers.

Anspieltipps:

  • Club 27
  • I Will Be King
  • Six Feet Under

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