Ektomorf - The Acoustic - Cover
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Ektomorf The Acoustic


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Viele Journalisten und Fans werden überrascht sein, dass Ektomorf, Ungarns Neo Thrash Meister, nun ein „Akustik“-Album veröffentlichen.“

„Viele Journalisten und Fans werden überrascht sein, dass Ektomorf, Ungarns Neo Thrash Meister, nun ein „Akustik“-Album veröffentlichen.“ – Nö, eigentlich nicht. Die ungarischen Sepultura werden schließlich nie in eine MTV Unplugged-Session eingeladen werden und die Streuung, die sich durch eine solche, weniger metallische Auseinandersetzung ergibt, lässt aufgrund der in der Natur des Menschen liegenden Neugierde womöglich abgewanderte Schäfchen zurück ins Boot holen oder sorgt überhaupt für unerwarteten Zuwachs. Und um es gleich vorab zu klären: Nein, die Neugierde macht sich nicht bezahlt.

Über 15 Jahre war Zoltan Farkas mit seinen Mannen ein Fels in der Brandung, wenn es um saftigen Thrash Metal mit einer ordentlichen Portion Groove und romanischer Folklore ging. „Outcast“ (10/2006), der fünfte Longplayer der Band, holte jedoch zum letzten Mal zum großen Rundumschlag aus, die sukzessiven Werke „What Doesn´t Kill Me“ (03/2009) und „Redemption“ (12/2010) knabberten schon viel zu lange an der immer gleichen Parade aus Riffwällen und aggressiven Shouts, was zu rapiden Ermüdungserscheinungen im Klangkosmos der Ungarn führte.

Ein Tapetenwechsel soll dies nun richten. „The Acoustic“ ist geboren! Dummerweise geht das Konzept schon nach dem ersten Song nicht wirklich auf. „I know them“ versprüht zwar einen soliden Groove und der Kopf nickt andächtig mit, die Stimme Zoltans ist abseits von Geschrei und Gebrüll jedoch kaum zu gebrauchen. In „I´m in hate“ verkommt er überhaupt zu einem röchelnden Häufchen Elend, die Skip-Taste wird in diesen Momenten der beste Freund eines jeden Abspielgeräts. Dann plötzlich mit „Be free“ der thematische und musikalische Befreiungsschlag mit ruhiger Strophe und aggressivem Chorus. Dieser Song wird mit Sicherheit die nächsten Festivals über in den Zelten und an den Lagerfeuern gegrölt werden. Respekt, Herr Farkas!

Die Euphorie beruhigt sich allerdings recht schnell wieder, Verstümmelungen von Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ und billige, auf die Tränendrüse drückende Amirock-Stangenware, die im Entferntesten an atmosphärische Midtempotracks von Stone Sour oder Seether erinnern („Again“, „Through your eyes“, „Stigmatized“), übernehmen die Oberhand. „Fate“ dürfte indes noch aus der Volksschulzeit von Zoltan stammen, zumindest hat man das Gefühl der Gute würde hier mit Regenbogen in den Augen über seine erste Liebe singen. Bevor dann am Schluss von „Who can I trust“ selbst der Himmel zu weinen anfängt, gibt es zumindest mit dem Lynyrd Skynyrd-Cover „Simple man“ und der Eigenkomposition „To smoulder“ solides Festland in dieser ansonsten äußerst dünnflüssigen Vorstellung.

„Viele Journalisten und Fans werden überrascht sein, dass Ektomorf, Ungarns Neo Thrash Meister, nun ein „Akustik“-Album veröffentlichen.“ – Ja, angesichts dieser mageren Darbietung ist es wirklich seltsam, dass sich Ektomorf mit dieser Veröffentlichung ihren Fans zeigen. Es muss zwar nicht immer die gehobenere Mittelklasse der Emil Bulls-Akustiksessions sein, aber Zoltan hätte zumindest merken müssen, dass seine Stimme, selbst wenn sie sich im Laufe des Albums immer wieder auf ein normales Level beruhigt, nicht die richtigen Emotionen für ein derartiges Unterfangen transportieren bzw. ohne massive Riffwand im Rücken keinen Song alleine tragen kann. Wir hoffen für das nächste Album jedenfalls das Beste!

Anspieltipps:

  • Be Free
  • Simple Man
  • To Smoulder

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