Sharon  Van Etten - Tramp - Cover
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Sharon Van Etten Tramp


  • Label: Jagjaguwar/CARGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Als prominenter Vertreter der Musikszene in Brooklyn ermutigte Kyp Malone von TV On The Radio die gerade von ihrem Studium in die Heimat zurückgekehrte Sharon Van Etten, an ihrer Faszination für das Songwriting festzuhalten und ihre Karriere in Richtung von Veröffentlichungen zu pushen. Mit derart kreativen Unterstützern im Rücken, zu denen später auch The National gehören sollten, kam es 2009 schließlich zum Debüt „Because I Was In Love“, ein Jahr später gefolgt vom zweiten Longplayer „Epic“. Zwischen diesen beiden Werken ließ sie es sich nicht nehmen und steuerte ihren Gesang zu einem Song des The Antlers-Album „Hospice“ bei. Innerhalb kürzester Zeit wurde Sharon Van Etten so zu einer überaus wohlwollend wahrgenommenen Musikerin, die neben ihrer geschulten, dunkel erobernden Stimme auch die Gabe zu innigen Songs voller Intensität besitzt.

Während der 14 Monate dauernden Aufnahmen zu „Tramp“ übernachtete sie bei Freunden und wohnte zur Zwischenmiete, quasi als Reisende mit der einzigen Konstante in Form des Studios von Aaron Dessner (The National). Dort entstand ein Album, das sich wie eine Offenlegung ihrer Existenz hingebungsvoll fragil in der Seele festbeißt. Vor allem Sharon Van Ettens Gesang schleicht sich immer wieder vor die Musik, deren Gesamtwirkung auf sakrale Weise den Hörer übermannt. Allein „Give Out“ ist Trauer und Schönheit in Person. Mit der die Vocals flankierenden Slide-Gitarre gesellt sich ein Stilmittel dazu, welches die Verzückung in noch höhere Regionen leitet. Dennoch ist das schon harter Tobak und eine Melancholie, die so tieftraurig tönt, dass ein Konsum in Maßen anzuraten ist. Aus diesem Grund kommt „Serpents“ durch seine jaulenden Gitarren und treibenden Drums gerade recht, um Aufbruch und Trotz als weitere Gefühlslagen dieses Albums zu manifestieren.

Doch „Tramp“ widersetzt sich nur selten der gelebten Trübseligkeit, zu selten, um als wiederkehrender Hörgenuss in der Plattensammlung einen Ehrenplatz zu erhalten. Eine bis ins Mark dringende Sehnsucht zieht sich durch „Leonard“ fester, erlebt in „Magic Chords“ mit der wiederholenden Zeile „You got to lose sometimes.“ einen musikalischen und stimmungsvollen Höhepunkt, ehe alle Sinne für das psychedelisch schwebende „I‘m Wrong“ im Schattentanz ihre Heimat finden. Der Ansatz von „Tramp“ und die Stimme Sharon Van Ettens sind zwar eine atmosphärische Klasse für sich, doch auf die Gesamtspielzeit graben sie sich eine bedrohliche, in Teilen einschläfernde, Hoffnungslosigkeit, der die wenigen rockigeren Momente nur unzulänglich auf die Sprünge helfen.

Anspieltipps:

  • Give Out
  • Serpents
  • Magic Chords
  • Ask

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