Adam Arcuragi - Like A Fire That Consumes All Before It - Cover
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Adam Arcuragi Like A Fire That Consumes All Before It


  • Label: Devilduck/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Adam Arcuragi ist ein amerikanischer Singer / Songwriter. Derer gibt es viele, doch Arcuragi ist anders, dennoch songorientierter und klassischer als viele seiner Zeitgenossen, die sich um Erneuerung bemühen und in manchen Fällen dann auch bemüht klingen. Bevor Adam Arcuragi sein drittes Album aufnahm, ließ er sich von Phil Spector Sessions und Musik aus den 1950ern und 1960ern inspirieren. Nicht nur deren warme Klangbilder, auch das Gemeinschaftsgefühl jener Tage setzte er im Studio um. Es wurde alles parallel in einem Aufnahmeraum eingespielt: Die Chorstimmen, die Instrumente und Arcuragis hinreißender Gesang. Produziert hat Duane Landy (My Morning Jacket, Daniel Martin Moore, These United States) und das Coverartwork ist eine Reminiszenz an ein Gemälde von Cy Twombly, der schon auf Kid Dakotas letztem Album seine Spuren hinterlassen hat.

„Like A Fire That Consumes All Before It...“ ist der Titel eines Albums, das etwas ganz Besonderes ist. Nach dem sieben Sekunden andauernden Intro „Howling“ wird mit „Oh I See“ einer dieser Himmel und Herzen öffnenden Songs offeriert, die von einem mehrstimmigen Chor flankiert werden. Neben den wachrüttelnden perkussiven Elementen ist es das Piano, das die angemessene Stimmung beisteuert. Ein an 16 Horsepower mahnendes Banjo lässt den „President Song“ galoppieren, dagegen werden „Parliament Of The Birds“ und „I Called“ mit Trompetenklängen angereichert. Wie auf „...Riverrun“ Pedal Steel, Keyboardstreicher und Arcuragis Stimme miteinander harmonieren und ineinander schmelzen ist ganz große Kunst. Oder wie das tuckernde Banjo und die gespenstischen Chorstimmen auf „You’d Think This Was Easy“ für heimliche und unheimliche Stimmungen sorgen.

Desgleichen versteht es der Amerikaner auf dem temporeduzierten „Port Song“ seine Stimme in stille Szene zu setzen, wobei akustische Gitarre und Violine feinsinnige Melodiefiguren zeichnen. Dem gegenüber stehen diese mitreißenden Songs wie die bereits erwähnten „Oh I See“ und „I Called“, denen stehen „Come On, Come On“ und „The Well“ in nichts nach. Auf letzterem wird das dröhnend-anschwellende Klangbild von wehmütigen Pedal-Steel-Schwingungen polarisiert.

Alleine die Stimme des Künstlers fährt mindestens die halbe Miete ein. Das Sehnsuchtspotential eines Will Sheff (Okkervil River) trifft auf das Geraspelte eines Jeffrey Foucault. Vergleiche mit Nick Drake oder Mark Kozolek sind dagegen eher der Stimmung denn der Stimme des Amerikaners geschuldet, wobei Arcuragi die positiven aufschwingenden Elemente (eines Bruce Springsteen nicht unähnlich) miteinbezieht. Jedenfalls treffen Arcuragis Phrasierungen immer mitten ins leidenschaftliche Herz.

Für solche Augenblicke lebt man als Rezensent: Vor lauter Begeisterung steht man plötzlich mitten im Raum, breitet seine Arme aus und fällt in die passionierten Gesänge und die himmlischen Chöre mit ein. Ein Schwelgen und ein Schwärmen, mitreißender Optimismus trifft auf melancholische Stimmungsbilder, die letztlich kaum mehr voneinander zu unterscheiden sind, das ist die eigentliche Kunst dieses Meisterwerks. Bisher wurde Arcuragis Output von den US-Magazinen als ‚Death Gospel‘ bezeichnet, besser wäre Americana Gospel, doch was sind schon Schubladisierungen angesichts dieser mitreißenden Songs. Eine Warnung will noch ausgesprochen werden: Wenn sie dieses Album in der Öffentlichkeit über einen Mp3-Player hören, laufen sie nicht nur Gefahr laut mitzusingen, sie könnten auch plötzlich wildfremde Menschen umarmen.

Anspieltipps:

  • Oh I See
  • You’d Think That Was Easy
  • …Riverrun
  • I Called
  • Come On, Come On

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