The Experimental Tropic Blues Band - Liquid Love - Cover
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The Experimental Tropic Blues Band Liquid Love


  • Label: Excelsior/CARGO
  • Laufzeit: 35 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt Bands, bei denen muss man den Namen ernst nehmen und diese gehört definitiv dazu. Da gibt es die Wörter Experimental, Tropic und Blues, die in beliebiger Reihenfolge kombiniert werden können, ohne in die Gefahr zu kommen jene Musik falsch zu beschreiben. Und das ist noch lange nicht alles, was das dritte Album „Liquid Love“ des belgischen Trios The Experimental Tropic Blues Band zu bieten hat.

Die Klangqualität von „Liquid Love“ ist so unterirdisch, dass jede Garagenband dagegen wie ein audiophiler Traum klingt. Die Frage ist nun, ist das jetzt unter dem Begriff Experimental oder doch Tropic Blues zu verbuchen? Sie wollten angeblich eine Platte im alten Stil aufnehmen, also analog, nur das analoge Musik im Gegensatz hierzu in den meisten Fällen wunderbar klingt. Entweder beherrscht jemand nicht sein Handwerk oder, was noch viel schlimmer wäre, das Ganze ist so gewollt. Die Musik selbst versucht sich irgendwo zwischen Punk und Rock wiederzufinden, dabei aber auch zum Beispiel einige Blueseinflüsse mit Technobeats zu vermischen oder dreckig verzerrte Gitarren aufzutürmen, bis dem Hörer die Ohren bluten. Hinzu gesellen sich verfremdete Gesangsstimmen, Gegröle und teils sinnlose Dialoge, die einfach mal so in einen Song eingebaut werden. Das alles ist auf jeden Fall experimentell und zwar so sehr, dass es einfach ungenießbar ist. Kakophonie hoch drei.

„Keep This Love“ klingt wie ein Song, der auf dem Sattel geschrieben wurde, quasi im Rhythmus eines Reiters, was natürlich auch im übertragenen Sinne verstanden werden kann. Bei „Worm Wolf“ wechselt sich eine verzerrte Falsett-Stimme mit Sprechgesang und einem tiefen Grunzen ab, dazu findet irgendein musikalisches Geplänkel statt, aber „Tetbb Eat Sushi” setzt alldem noch die Krone auf, eine undefinierbare musikalische Grütze bei der lediglich die Mundharmonika toleriert werden könnte, aber nicht sollte. Sogar eine experimentelle Rock’n’Roll-Nummer im Stile von Elvis Presley („Do It To Me“) ist vertreten. Ein sinnloses Stück jagt das nächste, die Liste ist lang und umfasst schlicht alle Songs des Albums.

Fassungslos sitzt man vor seiner Anlage, der Mund ist offen, das Kinn hängt weit unten, die Finger- und Fußnägel haben sich gekräuselt, die Haare stehen zu Berge und die Ohrmuscheln versuchen den Gehörgang schalldicht abzudichten. Was wollen diese Menschen mit ihrer (nennen wir es nur vorsichtig) Musik beweisen? Doch nicht etwa, dass sich für jeden „Liquid Shit“ auch ein Käufer findet.

Dieses Album ist der pure Hohn und am Ende überwiegt die Freude, dass es lediglich 35 Minuten gedauert hat. Das passiert einem nicht all zu oft.

Anspieltipps:

  • Tetbb Eat Sushi

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