Jack Savoretti - Harder Than Easy - Cover
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Jack Savoretti Harder Than Easy


  • Label: India/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Savorettis Musik zeichnet sich durch Tiefgang und Melancholie aus.

Jack Savoretti scheint alles zu haben: italienisches Aussehen und südländischen Charme, britisches Singer/Songwriter-Talent und nun auch ein international veröffentlichtes Album. Der heute 25-Jährige, in London geboren und teils dort, teils in der italienischsprachigen Schweiz aufgewachsen, besuchte eine amerikanische Schule und könnte sich in seinem Pass definitiv als Multi-Kulti ausweisen. Er selbst nennt zumindest seinen Akzent „transatlantisches Murmeln“. Es sind diese vielen verschiedenen Einflüsse, die Jack Savorettis Musik einzigartig machen. Was dabei rauskommt ist jedoch nicht ein kompliziertes Gewirr, sondern ein in sich verschmelzender Stil, der irgendwo zwischen Folk und Pop angesiedelt werden könnte. Sein absolut unverkennbares Merkmal ist die Akustikgitarre, die zu ihm passt, als sei sie extra für ihn erfunden worden. Umso verwunderlicher ist es vielleicht, dass er das Gitarrespielen erst mit sechzehn erlernte.

Seither hat sich jedoch viel getan. 2007 veröffentlichte der junge Musiker sein erstes Album „Between the Minds“, das zumindest in den UK-Charts Anklang fand. Und auch Hollywood wurde aufmerksam auf ihn. Es folgten zwei Stücke, die er extra für die amerikanischen Filme „The Sisterhood of the Travelling Pants 2“ und „Post Grad“ komponierte, bevor er 2009 sein zweites Studioalbum „Harder than Easy“ auf den Markt brachte. Dieses Werk wurde in nur sieben Tagen gemeinsam mit Mitgliedern der Tom Waits Band und den Counting Crows aufgenommen und anschließend von Grammy-Gewinner Jack Joseph Puig (U2, Snow Patrol) gemischt.

Drei Jahre später kommt auch Deutschland in den Genuss des berührenden Akustikalbums. Bisher hatte Jack Savoretti hierzulande vor allem bei Serienfans, wenn nicht gleich Berühmtheit, zumindest große Aufmerksamkeit, erlangen können. Seine Songs wurden in verschiedensten Serien, vor allem in „One Tree Hill“ und „Grey's Anatomy“ zahlreich als musikalische Untermalung eingängiger Szenen verwendet. Mit Erfolg.

Savorettis Musik zeichnet sich durch Tiefgang und Melancholie aus. Bevor er das Gitarrespielen erlernte, interessierte er sich vor allem für Poesie. Diese Leidenschaft kommt auch in seinen Songs unverkennbar zum Tragen. Sie haben Substanz, handeln nicht nur von Liebe und Verlust, sondern auch von Gerechtigkeit und Krieg. Sie sind wehmütig, poetisch und gehen unter die Haut, seine einnehmende Stimme unterstreicht diesen Effekt. Auch wenn alle Songs diese Merkmale gemeinsam haben, bietet das Album Vielfältigkeit. Auftakt ist der fast fröhliche Folksong „Map of the World“, passend zum Countryhit „Lost America“ und dem Titel „Patriot“, der im Bluegrass-Stil den Abschluss bildet.

Doch da sind auch fesselnde Lieder wie „Mother“, das mit ergreifenden Worten beginnt: „They killed a man for doing wrong today, when all he ever did, was look the other way“ und im Anschluss eine knappe Geschichte erzählt, die in ihrer Art sehr charakteristisch für den jungen Briten ist. Die beiden Songs „Wonder“ und „Songs from Different Times“ haben dieselbe Aussagekraft und bereits durch „Grey's Anatomy“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erhalten. Auch bekannt ist der Klassiker „Northern Sky“, wenn auch in der Originalversion von Jack Savorettis Vorbild Nick Drake, das auf dem Album als gelungene Eigeninterpretation Platz findet.

Insgesamt ist das Album mit zehn einzigartigen Titeln gut ausgefüllt, auch wenn man sich wünscht, es wären noch ein paar mehr. Doch vielleicht schafft es Jack Savoretti ja, mit seinem italienisch-britischen Charme, in den Deutschen die Lust auf Folk zu wecken. Denn dann hätten wir gute Chancen auf eine Zugabe, die hier dann mit weniger Verzögerung als bei diesem Mal, erscheinen könnte.

Anspieltipps:

  • Wonder
  • Lost America
  • Mother
  • Songs from Different Times
  • Patriot

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