Band Of Skulls - Sweet Sour - Cover
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Band Of Skulls Sweet Sour


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Sweet Sour“ hört man nur an der technischen Produktion an, dass es sich um ein Rock-Album des 21. Jahrhundert handelt.

„Sour by the minute, but you’re sweeter by the hour”. So wie die im Titelstück besungene Person verhält es sich nicht mit dem zweiten Album der Band of Skulls, jedoch ergibt sich eine Analogie insofern „Sweet Sour“ tatsächlich mit jedem Konsum in der Wertschätzung wächst.

Schon beim Debüt „Baby Darling Doll Face Honey” anno 2009 gab es zwei Grundreaktionen. Ein Rock-, Blues- und Rezitationsabklatsch den keiner braucht, oder zumindest: der Rock nichts hinzuzufügen weiß, war die eine Erwiderung, ein vielleicht simples, ein vielleicht sehr traditionsbewusstes, aber in seiner beseelten Liebe zu Melodie und Rhythmik des Rock dennoch sehr plausibles und stimmiges good old Rock'n'Roll-Album, fanden die anderen.

Auch „Sweet Sour“ hört man nur an der technischen Produktion an, dass es sich um ein Rock-Album des 21. Jahrhundert handelt und nicht um eine Led Zeppelin-Fahrwasser Band des Summer of '76. Und dennoch: die Stärke dieser Band, die Schönheit ihrer Musik, liegt gerade in seiner Konsistenz, die wir alle schon tausend Mal gehört haben; Riffs, Rhythmen, Melodien und Themen, die Rock schon lange kennt, alle schon gesungen und alle schon gespielt hat, mögen auf dem ersten Blick beziehungsweise Hören profan, langweilig und gar uninteressant erscheinen und sind doch erhabene Konstruktion der läppischen Formel Bass, Gitarre, Schlagzeug, Gesang und jede Menge Gefühle, Gefühle, Gefühle.

Und genau in diesem Licht erscheint gerade der rockigere, druckvollere Anfang des Albums als schöne und simple Zuhörzeit. Musik muss uns nicht jedes Mal in orgiastische Zustände versetzen um wertvoll zu sein. Sie kann auch durch Attribute wie Beständigkeit und Traditionsbewusstsein bestechen und, ja, Spaß machen. Ungeachtet dessen haben Russell Marsden, Emma Richardson und Matt Hayward natürlich dazugelernt. Insgesamt war der Erstling ein bescheidener Indie-Erfolg und die Club-Bühnen in Europa wie Nordamerika gut gefüllt, sodass das neue Material in seiner Konzeption bei den Krachern durchaus auf die großen Festivalarenen schielt. „Sweet Sour“ und das schöne „Bruises“ zum Beispiel, aber auch die Riff-lastigen Tempi-Spielereien „The Devil Takes Care Of His Own“ und „Lies“. Doch die Band Of Skulls kann nicht nur plausibel rocken, immer schon hatten sie eine zarte, einfühlsame Seite, die auch auf „Sweet Sour“ wieder den Stampfern entgegen gesetzt wird. Und auch hier wird genauso wenig Neues erfunden, wie bei den lauten uptempo-Nummern, und doch treffen die Balladen gut ins empfindsame Herz, ob „Lay My Head Down“ oder das sich steigernde „Wanderluster“.

Letztlich, die Band Of Skulls sind hierfür ein überzeugendes Beispiel, ist Rock eine einfache Angelegenheit, die leider mit sich bringt, dass die Grenzen zwischen wertvoll und profan dem Laien fließend erscheinen, was zur Folge hat, das etliche Bands im Rock ihren Erfolg und ihre Größe nicht verdient haben und andere unter ferner liefen die richtigen Mischungsverhältnisse ansetzen und leise, still und unaufgeregt überzeugend daherrocken.

Anspieltipps:

  • Bruises
  • Sweet Sour
  • The Devil Takes Care Of His Own
  • Lies
  • Wanderluster

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