Kristoffer Ragnstam - Little Goes A Long Way - Cover
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Kristoffer Ragnstam Little Goes A Long Way


  • Label: Ferryhouse/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Für Ästheten, die nichts als glattgebügelte Töne ertragen, ist dieser authentische und nahezu ungeschönte Klangausflug nichts.

Was haben Gnarles Barkley und Kristoffer Ragnstam aus Schweden gemeinsam? Sie haben beide auf ihre Art den Soul gefunden und wissen, wie sie ihn darstellen wollen. Kristoffer Ragnstam ist hierzulande nur den wenigsten bekannt und wer nach Seelenverwandtschaften Barkleys gesucht hat, wird auch nicht sofort auf diesen vielseitigen Künstler stoßen. Der Skandinavier ist eine Mischung aus Singer/Songwriter, Pop-Artist, Folk-Freund und eben Soul-Anhänger. So undefinierbar ist auch sein neues, sehr ausschweifendes Album „Little Goes A Long Way“ geworden.

Wenn man bedenkt, dass einige Bands sich bis zu mehr als einem Jahr in einem Studio aufhalten, um erst einmal Songideen zu finden, ist es immer wieder erstaunlich, was manche Künstler in gerade Mal zwei Wochen erledigen können. Im Stile der White Stripes wurde so wenig Zeit wie möglich im Studio verbracht, damit die Ergebnisse schnell die Hörer erreichen. Und was für Ergebnisse.

Zusammen mit seinen „Harbourheads“ zaubert der Schwede im Akkord fantastische Rhythmen und Melodien zusammen, die man danach nicht mehr missen möchte. Ob der soulige, schnelle Opener, die Kuschel-Hymne „Only For Rachel“ oder das poplastige Ohrwurm-Monster „Bulls, Wolves & Grizzly Bears“ mit unwiderstehlichem Refrain. Das alles wird dann auch noch vom Titeltrack in den Schatten gestellt, der eine echte Indie-Stadion-Hymne darstellt. Hier stimmt vom Mitsing-Faktor über die afrikanisch angehauchten Rhythmen einfach alles.

Ohne Pause überrascht das Album mit einer wunderbaren Nummer nach der nächsten. Sogar die abgeklärte Lagerfeuernummer („Happy Face“) wird mit Hilfe der Band zur treibenden Folk-Pop-Angelegenheit, die gleich viel mehr Spaß macht, als eine herkömmliche Akustikgitarrennummer. Kristoffer genießt die Unterstützung seiner Band in vollen Zügen und nennt sie zurecht als Mitinterpret. Außer „Same Drug“ als Psychedelik-Ballade zum Durchschnaufen geht es auch auf der zweiten Hälfte des Albums so belebt zur Sache, wie zu Beginn. Ausschweifende Instrumentalparts („Even, Not Settled“), noch mehr Pop-Hymnen mit ordentlich Indie-Flair dank des geschrienen Gesangs und diese Leichtigkeit, gepaart mit Emotionalität, wie man sie von Landsmann Moneybrother auch schon kennt.

Makel zu suchen, ist schon reine Zeitverschwendung auf „Little Goes A Long Way“. Dieses vielseitige Popalbum ist von vorne bis hinten ein lebendiges Werk, das den Hörer sofort einsaugt. Für Ästheten, die nichts als glattgebügelte Töne ertragen, ist dieser authentische und nahezu ungeschönte Klangausflug natürlich nichts. Hausgemachte Popmusik, der man ungern Fesseln anlegt. Ragnstam rockt genauso, wie er Popmusik macht. Genau solche exzentrischen Musikgeister braucht es, wenn wir weiterhin Neues und Erfrischendes aus unseren Boxen klingen hören möchten.

Anspieltipps:

  • Little Goes A Long Way (I.D.I.O.T.)
  • Bulls, Wolves & Grizzly Bears
  • Only For Rachel

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