Napalm Death - Utilitarian - Cover
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Napalm Death Utilitarian


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach über 30 Jahren derbstem Grindcore-Gepolter und aggressiven Death Metal-Growls aus der Hölle, möchte man meinen dass eine Band wie Napalm Death schon lange nicht mehr relevant sein sollte. Bei Mark Greenway (Gesang) und seinen Mitstreitern Mitch Harris (Gitarre), Shane Embury (Bass) und Danny Herrera (Schlagzeug) ist jedoch genau das Gegenteil der Fall und neben dem letzten Hackschnitzel „Time Waits For No Slave“ (01/2009), das die vierköpfige Truppe aus Birmingham erneut in technische Regionen katapultierte, die manch progressive Metalband in ihrer kompletten Laufbahn nicht erreicht, war es vor allem der immer weiter aufreißende Blick über den Tellerrand, der Napalm Death frisch, ungezwungen und so knackig wie noch nie klingen ließ.

Die richtigen Worte zu finden war für die sozialkritische Gruppierung allerdings noch nie ein Problem und in diesem Sinne dürfen mit dem diesjährigen, mittlerweile 15. Studioalbum, „Utilitarian“ (wieder einmal) die Politiker ihren Kopf hinhalten. „Sie liefern alles ab, was nötig ist, um die Menge zu zähmen – ob kriecherisches Lob, Scheinmoral oder aufhetzerisches Machtgehabe. Solange es nur dafür sorgt, dass sie sich an ihrem Platz in der Hierarchie festklammern können.“ erläutert Greenway die Problematik. Musikalisch wird diese Wut von einem atmosphärischen Intro eingeläutet („Circumspect“), bevor mit dem wildgewordenen Deathgrind-Massaker „Errors in the signals“ der brutal-brachiale Songreigen sein erstes amtliches Plädoyer erhält.

Dem gesellt sich noch ein abgedrehter Mindfuck mit einem aufjaulenden Jazz-Saxophon von John Zorn hinzu („Everyday pox“), sorgsam gewählte Massenvernichtungswaffen wie „Protection racket“ oder „Collision course“ verweisen stumpfes Gedresche auf die hinteren Plätze, donnernde Todesbleiattacken werden mit epischen Zügen wie z.B. Chören versetzt („Fall on their swords“, „Blank look about face“, „Leper colony“) und wenn man glaubt es kann nicht mehr brutaler zugehen, schnalzt die groovende Breitseite „Orders of magnitude“ um die Ecke, „Think tank trials“ durchbricht im Berserkermodus die Schallmauer und einminütige Mach 5-Geschoße wie „Nom de guerre“ oder „Opposites repellent“ zerfetzen das Trommelfell.

Im direkten Vergleich sind die wutentbrannten Death Metal-Tracks „Analysis paralysis“ und „A gag reflex“ schon fast als „normal“ zu bezeichnen, allerdings gibt es auch hier ohne Rücksicht auf Verluste mächtig einen auf die Rübe, sodass „Utilitarian“ ein kompromissloser wie gnadenloser Nachfolger zum 2009er Werk „Time Waits For No Slave“ geworden ist. Stellenweise ist die Brutalität zwar kaum zu ertragen und Verschnaufpausen muss man sich durch Druck auf die Pause-Taste genehmigen, alles in allem haben Napalm Death aber erneut ein vorzügliches Deathgrind-Album abgelegt, das die Zukunft der Band eindrucksvoll besiegelt.

Anspieltipps:

  • A Gag Reflex
  • Everyday Pox
  • Collision Course
  • Protection Racket
  • Errors In The Signals

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