Lyriel - Leverage - Cover
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Lyriel Leverage


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 35 Minuten
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8/10 Unsere Wertung
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Unterm Strich stellt „Leverage“ nichts Anderes als eine klare Kaufempfehlung für jeden Fan stimmungsvollen Symphonic Metals mit dezenten Folk-Elementen dar.

Mit der Originalität hat es an Lyriel schon immer etwas gehapert. Bezaubernde Gesänge im familienfreundlichen Folk, Symphonic oder Gothic Metal-Kleid sind schließlich schon lange keine Mangelware mehr und Vertreter wie Nightwish, Within Temptation oder Lacuna Coil sind selbst dem engstirnigsten Metalhead ein Begriff. Was die Gummersbacher Kapelle jedoch von den Megasellern der Branche stets unterschieden hat, war eine spürbare Wärme in den Kompositionen, die dem Hörer ohne kommerzielle Eingeständnisse das Gefühl gab, zuhause zu sein. Das Beste daran: Jessica Thierjung (Gesang), Linda Laukamp (Cello, Gesang), Joon Laukamp (Violine), Oliver Thierjung (Gitarre), Tim Sonnenstuhl (Gitarre), Steffen Feldmann (Bass) und Marcus Fidorra (Schlagzeug, Perkussion) haben diese Gabe mit ihrem fünften Werk „Leverage“ noch nicht verloren.

Das namensgebende „Intro“ ist zwar trotz seiner Kürze viel zu langatmig und vergessenswert, doch bereits der Titeltrack ist eine vor Spielfreude und Atmosphäre funkelnde Nummer, die ansonsten nur die ganz Großen hinbekommen. Kompositionen wie „Parting“ und das in Deutsch gesungene „Aus der Tiefe“ konzentrieren sich hingegen auf die Folkelemente, die „Leverage“ eine beschwingte Seite verleihen, obwohl bei letztgenannten Track die Violine mit dem bunten Treiben nicht ganz mithalten kann und etwas hinterher hinkt. Härtere Klänge, die dunkel grollend ihre Aufwartung machen, sind für die Deutschen ebenfalls kein Hindernis, dummerweise entlädt sich die Energie der Strophen z.B. bei „Voices in my head“ in einen zaghaften 0815-Refrain, sodass die anfängliche Kraftbrühe schnell zu einer lauwarmen Suppe verkommt.

Eine der großen Stärken von Lyriel sind aber ohnehin die Balladen und davon gibt es auf „Leverage“ wieder zwei ausgesprochen schmackhafte Vertreter. Da wäre zum einem „The road not taken“, das quasi im Alleingang von der feengleichen Stimme Jessicas und einer sanft gezupften Akustikgitarre getragen wird und erst kurz vor Schluss in eine aufbegehrende „My immortal“-Hommage mündet, und zum anderen „Wenn die Engel fallen“, welches bereits bei den ersten Pianotupfern für Gänsehaut sorgt und mit Thomas Lindner von Schandmaul für einen kratzigen Kontrast sorgt, obwohl dieser mit einem windschiefen Einsatz kurz vor dem großen Finale ein leichtes Schmunzeln aufs Gesicht zaubert. Klar, diese beiden Tracks bewegen sich am Rande des Kitsch und vor allem „Wenn die Engel fallen“ ist ein gewagter Rosenstolz-Moment, doch lässt man sich auf die wunderbare Stimmung ein, wird man zusammen mit „End of time“ des letzten Lacuna Coil-Werkes „Dark Adrenaline“ (01/2012) mit einem der feinfühligsten Songs der letzten Monate aus dem Female Fronted Metal-Bereich belohnt.

Ein weiterer Höhepunkt, jedoch ganz und gar nicht ruhig, ist „White lilly“. Von der ersten bis zu letzten Sekunde entfacht der Titel eine fabelhafte Symbiose, die sich auf dominante Drums, kernige Riffs und einen poetischen Text mit Hitcharakter stützt, die in dieser Form auch von den mittlerweile aufgelösten After Forever stammen könnte. Zum Abschluss schwächeln die Gummersbacher allerdings ein wenig, denn sowohl das rockige „Side by side“ kann keine großen Akzente setzen, als auch „Repentance“ erweist sich als flügellahmer Albumender, der auf der Stelle tritt und nicht so recht weiß, ob er abheben oder sich doch in kuschelige Laken betten soll. Unterm Strich stellt „Leverage“ dennoch nichts Anderes als eine klare Kaufempfehlung für jeden Fan stimmungsvollen Symphonic Metals mit dezenten Folk-Elementen dar. Und wer es ohnehin gerne etwas emotionaler mag, darf auch gerne einen Punkt für die stellenweise kitschigen Momente hinzu addieren. Einen Fehlgriff tätigt man mit Lyriels neuester Platte aber in keinem Fall.

Anspieltipps:

  • Leverage
  • White Lilly
  • The Road Not Taken
  • Wenn die Engel fallen

Dieser Artikel ging am um 11:22 Uhr online.
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