Kreator - Phantom Antichrist - Cover
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Phantom Antichrist


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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9/10 Unsere Wertung
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Jungs um Mille Petrozza hauen das wohl innovativste Album der Bandgeschichte raus.

Wenn es darum geht, dem Thrash Metal aus deutschen Landen ein internationales Gesicht zu geben, dann denkt man natürlich sofort an das Nordrhein-Westfälische Dreigestirn. Ohne Frage sind aber Kreator ihr größter Protagonist. Seit drei Dekaden thrashen sich Miland „Mille“ Petrozza und seine Mannen über die Bühnen der Welt. Doch was kann man von einer so alteingesessenen Band noch erwarten? Man könnte sich auf bewährte Erfolgsrezepte verlassen oder etwas komplett neues machen. Kreator wären aber nicht Kreator, wenn sie nicht noch ein Ass im Ärmel hätten. Würdevoll altern und sich wiederholen können andere, denn Mille (Gesang und Gitarre), Sami (Gitarre), Speesy (Bass) und Ventor (Schlagzeug) haben sich mit „Phantom Antichrist“ einer Frischzellenkur unterzogen, die gleichzeitig beweist, dass die Kombo in ihrem Handeln absolut stilsicher ist.

Das als Intro fungierende „Mars Mantra“ mit leisem Chor im Hintergrund und akustischen Gitarren lässt das Spannungsbarometer fast bersten. Was folgt, ist typische, kreatorsche Hardwurst: Man verlässt sich beim Titeltrack sowie dem folgenden „Death To The World“ auf seine großen Stärken. Beide Songs hätten locker auch auf den Vorgängern eine gute Figur gemacht. Doch bereits „From Flood Into Fire“ weicht dem Muster. Das an Metallicas „...And Justice For All“-Zeiten erinnernde Intro mündet in eine waschechte Hymne, die stellenweise sogar an die modernen Amorphis angelegt ist. Ganz groß! Das Konzept wird im Refrain von „Civilization Collapse“ ebenfalls verwendet. Bis dahin feuern Kreator aber Thrash-Salven wie sie es selten in ihrer Karriere gemacht haben und machen den Track zu einer Highspeed-Eruption sondergleichen. Aber auch straightere Songs bekommen ihre Daseinsberechtigung. „Victory Will Come“ mit seiner mitsingtauglichen Punchline dürfte genau wie „United In Hate“ langjährige Fans zufrieden stellen. Zweiteres beginnt akustisch, nur um sich in eine „Voll-in-die-Fresse“-Hymne zu entwickeln.

„Your Heaven My Hell“, „The Few, The Proud, The Broken“ und „Until Our Paths Cross Again“ sind klare Kniefälle vor Iron Maiden, welche aber genug Eigenständigkeit mitbringen, um sich in den Herzen der Fans nieder zu lassen. Kreator haben ja immer mal wieder Elemente aus Heavy Metal in ihre Kompositionen untergebracht, aber selten so intelligent und songdienlich wie auf „Phantom Antichrist“. Während „Your Heaven My Hell“ besonders gesanglich an diverse Solo-Spätwerke eines gewissen Herrn Dickinson erinnert, überzeugt besonders der Rausschmeisser „Until Our Paths Cross Again“ mit seiner leicht melancholischen Grundstimmung. Maiden ab Brave New World lassen grüßen und Bassist Speesy wird sogar zu einem kleinen Steve Harris.

Am Ende ist man dann erst mal weggeblasen! Mit „Phantom Antichrist“ haben die Essener ein äußerst abwechslungsreiches und extrem starkes Album abgeliefert, welches deutlich als Weiterentwicklung des Vorgängers „Hordes Of Chaos“ zu verstehen ist. Das Erfolgsrezept wird wieder aufgenommen und bekommt weitere Impulse und Feinschliffe in Form von kleinen klanglichen Experimenten. Einige Nummern haben das Potential neue Hörer zu erreichen ohne aber die Liebhaber des bewährten Sounds zu vergraulen. Jede einzelne der zehn Kompositionen ist ein Hit. Und als Summe seiner einzelnen Teile ist „Phantom Antichrist“ nicht weniger als das wohl innovativste Album der Band überhaupt. Diese Jungs wissen einfach, was sie tun!

Anspieltipps:

  • From Flood Into Fire
  • Civilization Collapse
  • United In Hate
  • Your Heaven My Hell
  • Until Our Paths Cross Again

Dieser Artikel ging am um 12:26 Uhr online.
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