SoKo - I Thought I Was An Alien - Cover
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SoKo I Thought I Was An Alien


  • Label: Because Music/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das vor allem für verbitterte Frauen geschrieben worden zu sein scheint.

Vor etwa fünf Jahren erreichte eine junge, sympathische Franzosin die Herzen von unglücklich verliebten Teenagern und all denen, die je rasende Eifersucht verspürt haben. Mit „I'll kill her“ war ein liebenswürdiger, warmherziger Song geschaffen, über ein Leben voller „was wäre wenn's“ mit einem unerreichbaren Partner. Das Debüt zeichnete sich aus durch eine gehörige Portion Selbstironie und Sokos unverwechselbaren, französischen Akzent. Die in Bordeaux geborene Sängerin und Schauspielerin Stephanie Sokolinski erreichte nach ersten Erfolgen in Dänemark auch in Deutschland nach und nach Popularität. Ein halbes Jahrzehnt später folgt nun das Album „I thought I was an Alien“ und endlich erfährt man, was aus dem heute 25jährigen Mädchen geworden ist.

Fakt ist, Sokos Liebeskummer ist geblieben. Diesen Eindruck gewinnt man schon alleine dann, wenn man sich die 15 aussagekräftigen Titel nur durchliest, nicht einmal unbedingt anhört. Und wie heisst es so schön? Der erste Eindruck zählt und bewahrheitet sich in diesem Falle gänzlich. Von „We might be dead by tomorrow”, über „No more home, no more love” und „Don't you touch me”, hin zu „Distruction of the disgusting ugly hate” handeln alle Song ausschließlich von zerflossener Liebe, verletzten Gefühlen, bodenloser Enttäuschung und tiefer Verzweiflung. Das ist ein bisschen traurig, wenn man bedenkt, dass das Album mit den Zeilen eingeleitet wird: „You will discover me through my songs, learn my heartsbreaks and fear and depression.”

Genauso klingt das Album, es scheint alles sehr dramatisch und schlimm und das ist es einerseits auch. Andererseits hat Soko es erneut geschafft, diese tiefsitzende Melancholie in kindliche, aber ironische und fast schon lustig anmutende Texte zu verpacken. Sie geben nicht unbedingt Hoffnung, doch sie bringen einen immerhin zum Lächeln. Und sie zeugen noch von einer anderen Charaktereigenschaft: Sie sind ehrlich. Sie sind authentisch und erzählen von den Gedanken, die wir vielleicht alle manchmal haben, aus Stolz aber nie aussprechen würden. So setzt sich zwar die Trauer selbst in den Liedern fort, die aufgrund ihres Titel auf positiveren Inhalt schließen lassen. Sie sind aber auch fast schon ein bisschen weise. So stellt Soko in „Happy hippie birthday” die wirklich gute Frage:, „today was your birthday and I didnt know what to do, are you supposed to call the people you love, when you know, they don't love you?”

Dann geht es mit der Stimmung leider jedoch noch tiefer hinab. Diese Talfahrt der Gefühle wird im Album kaum unterbrochen – und das ist eigentlich schade. Soko hat Talent, das steht fest. Sie trifft nicht immer alle Töne – doch das ist sicher so gewollt. Sie arbeitet nicht an ihrem französischen Akzent – und das ist auch gut so, es macht sie sympathisch. Doch hat man nicht gerade selbst ungeheuren Liebeskummer, wünscht man sich spätestens nach der Hälfte des Albums, Soko würde auch mal Liebe erfahren, irgendjemanden treffen, der ihr gut tut und dann darüber singen. Es würde sicherlich der Eintönigkeit der Themen entgegenwirken und dem ansonsten wirklich netten Album den Beigeschmack nehmen, vor allem für verbitterte Frauen geschrieben worden zu sein.

Anspieltipps:

  • I thought I was an alien
  • First love never die
  • Treat your woman right
  • Happy hippy birthday

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