Hamel - Lohengrin - Cover
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Hamel Lohengrin


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Hamel ist zurück und bleibt auf seiner Mikaesken Schiene. Auf „Nobody's Tune“ ist er damit auch noch ziemlich gut gefahren. Als ernsthafte (im wahrsten Sinne des Wortes) Alternative zum abgedrehten Briten, weiß der Niederländer die ruhigen, nachdenklichen Töne in seiner Musik zu suchen. Das ebenfalls altmodische zeigt sich bei ihm darin, dass er keine Angst hat nach vergangenen Jahrzehnten zu klingen. Interessanter wird es sein zu beobachten, wie sich Hamel diesmal mit den beschwingten, modernen Songs schlägt.

„Touch The Stars“ entsagt dem sonst so befürworteten Jazz in Hamels Musik und macht Platz für Big Band Musik aus den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts. Wie in einem Nachtclub der damaligen Zeit klimpern Piano, tröten Bläser und das seichte Schlagzeug zu der eingängig, herrlich altmodischen Nummer. Der Bruch zum 70er/80er-Jazz-Pop in „Demise“ ist fast schon zu viel. Zumindest authentisch vertritt Hamel die gewählten Stilrichtungen wieder. Wo „Touch The Stars“ aber noch frech und beschwingt war, ist „Demise“ nicht nur stilistisch, sondern auch stimmlich eine 180°-Wendung. Damit der Hörer die Stile des Niederländers zu fassen bekommt, ist mit „What's Left“ endlich eine Ballade dran, die den Jazz-Club mit sanfter moderner Popmusik vereint. Die Mischung ist vielleicht etwas zu sanft geraten, aber dringend nötig, um dem Album eine Richtung zu geben.

Doch dann kommt auch schon wieder das große Problem Hamels, das sich in „GiuGiu“ manifestiert. Die beschwingte Indie-Hymne mit guter Melodie wirkt steril und reißt einfach nicht mit. Zu sanft und gleichbleibend ist die Stimme des sanften Sängers. Dazu kommt ein unnötiger Beigeschmack der (zu) schlichten 80er-Pop-Phase, der sich auch in „Kings & Queens“ unliebsam wiederholt. Nachdenkliche Pianoballaden („Finally Getting Closer“, „Skimming The Skies“ und „Rue Damremont“ stehen dem nachdenklichen Hamel, der Shakespeares Vorbild in dieser Hinsicht zu gleichen scheint, mehr.

Die Tragik eines „Rue Damremont“ und die ausschweifende Streicher-Pop-Musik im Titeltrack sind Hamels Welt. Diese Art der Popmusik hat er gemeistert und mit zurückgestelltem Jazz-Einfluss macht er es auch der breiten Masse leichter „Lohengrin“ ins Herz zu schließen. Doch der Niederländer bleibt ein Favorit der gebrochenen Herzen, der aufgewühlten Geister und der nachdenklichen Seelen. Die Sonnenseite des Lebens lässt sich nur durch verstaubtes Glas betrachten. Es ist da, aber es einfach zu besitzen wäre zu einfach. Dass Hamel trotzdem mit den Spaßmachern der Pop-Gesellschaft mithalten möchte, kann man ihm nicht wirklich ankreiden. Man muss ihn in dieser Hinsicht aber auch in seine Schranken weisen.

Anspieltipps:

  • Touch The Stars
  • Lohengrin
  • Rue Damremont

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