120 Days - 120 Days II - Cover
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120 Days 120 Days II


  • Label: Voices Music & Entertainment
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
3.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das norwegische Quartett 120 Days wurde für ihr gleichnamiges Debütalbum für ihren Electro/Rock-Mix großartig gelobt. Es erschien vielen als Symbiose aus zwei sonst so unvereinbaren Richtungen, die sonst gerne über den anderen hinwegsehen. Es braucht keinen großen Einfallsreichtum, um zu vermuten, dass ein Album mit dem Titel „120 Days II“ auf derselben Schiene fahren dürfte. Wer aber meint, dass das neun Stücke starke Neuwerk mit dem fast identischen Namen Rockfans so sorgsam umgarnt wie das Debüt, der wird seinen Ohren schon nach wenigen Minuten einiges erklären müssen.

„Dahle Disco“, wohl ein Experiment, dass hauptsächlich auf Bandmitglied Jonas Dahls Mist gewachsen ist, übermannt den Hörer als knapp zehnminütiger Ausflug in die modernen Diskotheken von Helsinki bis Lissabon. Das ist natürlich einseitige Kritik, denn wer nicht gerade ein rockiges Club-Erlebnis eingeplant hat, der wird mit starken Beats versorgt, die man nicht so bald missen möchte. „Dahle Disco“ genau wie „Lucid Dreams – Part II“ sind angenehm eingängige Nummern, die mit Detailbesessenheit und einer vorantreibenden Art den Hörer bei der Stange oder eben auf der Tanzfläche halten. Gerade im Fall der „Lucid Dreams – Part III“ kann man phasenweise schon von einem Ansatz von Industrial sprechen, anstatt auf die Rockwurzeln zu verweisen. So lässt das dreiteilige Herzstück des Albums zusammen mit der überlangen „Dahle Disco“ sämtliche Erinnerungen an Rockmusik verschwinden.

Nach „Lucid Dreams – Part I“ gibt es mit „Sleepless Nights #5“ leider noch eine zweite schwachbrüstige Interlude, die über die geringe Anzahl an Tracks auf dem Album hinwegtäuschen soll. Wem diese quantitative Streckung der Playlist vorzuwerfen ist, ist jedoch Nebensache. Eher interessiert uns, was neben den bisher zwei vorhandenen Liedern noch auf den Hörer wartet und da sieht es eher knapp aus. „Sunkissed“ braucht die Hälfte der eigenen Spielzeit, um endlich von sphärischen Atmosphäre-Intro namens „Sleepless Nights #4“ loszukommen und erinnert erst an Daft Punk durch die vielen elektronischen Spielereien, die hohe Frequenzen beinhalten, um dann eine Gesangsspur einzuleiten, die an Kasabian. Eine interessante Mischung, die leider nicht so stark zündet, wie man sich das von so großen Namen erhofft.

120 Days geben sich alle Mühe vielschichtig zu sein, was allerdings kein festes, tanzbares Ton-Bild zurücklässt. „SF“ wechselt o oft zwischen Stilen hin und her, dass Tempoverschiebung und Stimmungswechsel es nahezu unmöglich machen, seinen eigenen Rhythmus zu den Liedern zu finden. Das macht die ausladende „Dahle Disco“ weitaus besser und auch die „Lucid Dreams“ lassen sich nach dem unsäglichen Intro genug Zeit, um ihren Geist auf die Hörer loszulassen. Ähnlich schafft es das überladene „Osaka“ zum Abschluss und so steht man mit drei gelungenen Stücken und vielleicht noch dem recht einfachen „Spacedoubt“ zu Beginn des Albums. Woran man sich allerdings nach dieser Dreiviertelstunde halten soll, die nicht weiß, was sie selbst ausdrücken will, ist schwierig und ein großes Problem bei Musik, zu welcher man sich nur allzu gerne mit dem Körper ausdrücken würde.

Anspieltipps:

  • Dahle Disco
  • Lucid Dreams – Part II
  • Osaka

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