Jack White - Blunderbuss - Cover
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Jack White Blunderbuss


  • Label: XL Recordings
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Diversität des Rock konvergiert in seiner Person.

Jack White at his best. Die Diversität des Rock konvergiert in seiner Person, scheint es, denn auf seinem ersten Soloalbum nach den Rockgeschichte geschrieben habenden The White Stripes und den Nachfolgebandprojekten The Raconteurs und The Dead Weather sprüht es nur so vor Spielfreude, Vielfalt und Ideen auf „Blunderbuss“.

Der Sohn Detroits hat es sich gemütlich gemacht in den letzten Jahren in Nashville, dem nur vordergründigen Country-Mekka Nordamerikas, mit Frau, Kindern, seinem Third Man Label und seinem Tonstudio. Vordergründig nur, weil er dort dem Blues und seinen kulturellen Auswirkungen und Implikationen in Tennessee natürlich viel Näher ist als im Zentrum des 70er-Garage-Rock namens Detroit aus dem er entstammt. Nicht die schlechteste Verortung also für einen Rock-Musiker, der sich von Anfang an dem Blues verschrieben hat. Nun, das Studio ist gut frequentiert, das Label floriert, aber die Ehe ist geschieden worden nach sechs Jahren. Doch wie schon damals bei seiner White-Stripes-Partnerin, ist alles andere als ein Rosenkrieg daraus geworden. Man horchte auf letztes Jahr als die Meldung umging White und das Model/die Musikerin Karen Elson feiern eine große Scheidungsparty mit allen Freunden und „remain dear and trusted friends and co-parents“.

Und also ist „Blunderbuss“ alles andere als ein Trauerkloß von einem Soloalbum geworden. Und natürlich ist es spielerische Koketterie sein erstes professionelles Eigenwerk Tollpatsch zu nennen. White wusste schon immer mit den ebenen der Selbstdarstellung umzugehen, immerhin macht er keinen Hehl daraus: wer auf der Bühne steht und zu einem Publikum spricht/singt, ist eine Rampensau, der eine mehr, der andere weniger. Und wenn man es so gut macht, darf man ruhig ein wenig kokettieren. Wie es shaked, rattled und rolled auf „I'm Shakin'”, wie ein stets druckvolles Schlagzeug und ein molliges Piano Verlustverarbeitung anstimmen und von Last befreien in „Weep Themselves To Sleep“, wie ein bluesiges Retro-Riff und ein hastig verrückter Rhythmus auf „Freedom At 21“ den Kopf verdrehen, wie „Sixteen Saltines“ in bester White-Stripes-Manier kracht, rockt und überzeugt, wie, mit der Ex-Frau im Duett, „Take Me With You When You Go“ den Hörer in sphärische Höhen entlässt und Lebensbejahung erzeugt: es ist ein richtiger Rundumschlag aus Blues, Garage-Rock, Honky Tonk, Country-Anleihen und Singer/Songwriter-Bereichen die „Blunderbuss“ zu einem Hörerlebnis im Wortsinne werden lassen.

Bedeutende Bandsplits lösen immer Bestürzung aus, oft zu Recht. Bei Jack White indes konnte man sich von Anfang an sicher sein, dass dies nicht das Ende seines überzeugenden musikalischen Oeuvres bedeutet. The Flaming Lips sangen es schon und wir singen mit: Thank you, Jack White.

Anspieltipps:

  • Sixteen Saltines
  • Freedom at 21
  • Weep Themselves To Sleep
  • I'm Shakin'
  • Missing Pieces
  • Take Me With You When You Go

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