Sven Van Thom - Ach! - Cover
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Sven Van Thom Ach!


  • Label: Roof Music/EDEL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ach Liebe, du Quälgeist! Sven van Thom singt wieder von der Hassliebe zur Liebe, die irgendwie „nervt“ und doch so wunderschön ist.

Ach Liebe, du Quälgeist! Sven van Thom singt wieder von der Hassliebe zur Liebe, die irgendwie „nervt“ und doch so wunderschön ist. Freud und Leid liegen eben doch zu oft ganz nah bei einander und davon kann Sven van Thom auch auf seinem neuen Album „Ach!“ ein Lied, genaugenommen fünfzehn Lieder, singen.

„Ach!“ wie „Ach du Sch…“? oder doch eher „Ach du liebe Güte!“ oder irgendwas ganz anderes? Eigentlich wollte Sven van Thom sein zweites Album „Ach Liebe“ nennen, doch scheinbar war ihm dieser Titel doch eine Spur zu kitschig. Der Titel „Ach!“ lässt sich zudem als eine Hommage an Loriot alias Vicco von Bülow, die kürzlich verstorbene Legende des deutschen Humors, verstehen und nicht nur der Titel erinnern an Loriot, auch der Songtext von „Ihr Vater ist ein Nazi“ könnte beinahe einem Loriot-Sketch entnommen sein.

Es fängt so gut an: „Irgendwann“, der Intro-Song auf dem Album ist ein schöner Einstieg, der nicht nur musikalisch sondern auch textlich viel frischer wirkt, als Phantomschmerz. Nicht ganz so glücklich, geht es im zweiten Song „Haare aus Deinem Gesicht“ weiter und man dreht sich etwas angeekelt zur Seite, wenn Herr van Thom singt: „Und so halte ich die Haare aus deinem Gesicht, wenn du kotzen musst.“. Was Kettcar zwei Wochen zuvor auf ihrem neuen Album Zwischen den Runden überaus poetisch in ihrem Song „Rettung“ besungen haben, klingt bei Sven van Thom leider eher unglücklich. Genauso unglücklich klingt der Bonustrack „Deine Party ist nicht schön“ aus der Reihe „Psychoterrorimus“, der eher an „Hier kommt die Maus“ von Stefan Raab erinnert.

Der rote Faden, der sich durch das gesamte Album zieht, ist jedoch die unerfüllte Liebe. Die Erinnerung an die guten, alten Tage mit Mädchen XY, die große Liebe und die damit verbundene Tragik. „Wir zwei kommen nie zusammen“ ist dabei das heimliche Herzstück des Albums und kommt dabei sogar ganz ohne all die Witzigkeit aus. Immer mal wieder fängt Sven van Thom sich wieder, zieht sich aus seinem melancholischen Loch, wie in „So schlimm ist es nicht“ und so klingt „Ach!“ manchmal auch ein bisschen wie ein Monolog, ein Brief an ihn selbst: „Mein Gott, so schlimm ist es nicht.“

An Sven van Thoms Jugendsünde Sofaplanet und ihren damaligen Hit „Liebficken“ werden sich viele wahrscheinlich noch erinnern und hier und da erkennt man tatsächlich auch bei Sven van Thom noch die ein oder andere Parallele. Wie sagt man so schön? Wer sein erstes Album Phantomschmerz mochte, wird auch „Ach!“ mögen. Eine Mischung aus Melancholie und Albernheit, macht „Ach!“ zu einem Album, dass man entweder lieber oder hassen wird. Wenn Sven van Thom nicht aufpasst, dann kommt wirklich noch der Teufel und verkauft ihn nach Polen, wie er selbst in dem Lied „Polen (Spreewaldwalzer)“ singt. Seine Ode an den Spreewald erinnert stilistisch beinahe schon an Rainald Grebe und seinen „Brandenburg“-Song, was vielleicht daran liegen mag, dass Sven van Thom selbst in Brandenburg aufgewachsen ist. Ganz viel Sarkasmus und viele Witze, bei denen sich möglichst viele Menschen peinlich berührt oder angegriffen fühlen, das ist das Geheimrezept von Sven van Thom. Fans von humoristischem Selbstmitleid werden viel Freude mit „Ach!“ haben, andere vermutlich weniger.

Anspieltipps:

  • Irgendwann
  • Ihr Vater ist ein Nazi
  • Wir zwei kommen nie zusammen

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