Lionel Richie - Tuskegee - Cover
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Lionel Richie Tuskegee


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein letztendlich gescheiterter Versuch Country und R&B sinnvoll zueinander zu bringen.

Ist es Mut oder Verzweiflung? Langeweile oder Irrsinn? Künstlerische Freiheit oder einfach nur Kalkül? So richtig schlau wird man nicht aus der Idee, dass R&B- und Soulsuperstar Lionel Richie (62) nach ca. 100 Millionen verkauften Tonträgern ein Bündel seiner größten Hits in Country- und Western-Duette umwandelte und ein ganzes Album daraus bastelte. Nur das Argument, dass Lionel Richies Heimatstadt Tuskegee im Bundesstaat Alabama eine sehr lebhafte Countryszene besitzt die den damals jungen Musiker inspirierte, wirkt jedenfalls wie eine konstruierte Hintergrundgeschichte als Rechtfertigung.

Selbstverständlich ist in der Musik alles erlaubt. So hat das Publikum bereits klassische Orchester im Zusammenspiel mit Bands aller Art ertragen und miterlebt wie Rapper mit Heavy-Metal-Gruppen gemeinsame Sache machten. Das musikalische Umbetten von Songs einer Stilart in eine andere ist demnach gar kein großes Ding mehr und kommt häufiger vor als einem vielleicht lieb ist. Und so ist die Entscheidung, Soul-, R&B- und Pop-Schmachtfetzen wie „Say you, say me“, „Just for you“, „Hello“ oder auch „Dancing on the ceiling“ ins Fach der amerikanischen Volksmusik zu transportieren, gerade für den US-Markt eine goldrichtige Entscheidung gewesen, wie die Chartsplatzierungen von „Tuskegee“ beweisen.

Doch ein Weltstar wie Lionel Richie findet international statt und da ist es wichtig, die Kernmärkte außerhalb Amerikas ebenfalls adäquat zu bedienen, weshalb irgendjemand bei Richies deutschem Plattenfirmenableger auf die Idee kam, die Label-Kolleginnen Cassandra Steen und Stefanie Heinzmann als Duettpartnerinnen an Bord zu holen. Was das mit Countrymusik zu tun hat? Keine Ahnung! Und Lionel Richie war es wohl egal. Auf amerikanischer Seite versammelt Lionel Richie dagegen mit Shania Twain, Rascal Flatts, Kenny Chesney, Willie Nelson, Kenny Rodgers und Sugarland einige der größten Namen der Country-(Pop)-Szene, mit der Betonung auf Pop. Denn Lionel Richie traute sich erwartungsgemäß nicht, an der Hardcore-Nashville-Schraube zu drehen.

So tauschte der 62-Jährige lediglich das musikalische Beiwerk aus, indem er den Songs den Bombast früherer Zeiten wegnahm und gegen Instrumente aus der Country-Ecke ersetzte. An den durch und durch poppigen Grundgerüsten änderte dies freilich nichts. Auch wenn jetzt Steel Guitar, Banjo, Fiddle, Mundharmonika, Ukulele und Mandoline erklingen, dann doch immer so, dass sie nicht stören. Und ja, unterm Strich funktioniert diese Art des Trennens und neu Zusammensetzens auf eine gewisse Art, wobei der eine oder andere Radiohörer bestimmt keinen Unterschied zwischen dem Original und einer Countryversion feststellen wird, so ähnlich sind sich die Strukturen auch nach der stilistischen Geschlechtsumwandlung.

Dadurch verpufft letztendlich auch der Charme der Duette, die nur in ganz seltenen Fällen Auffälligkeiten bieten, etwa wenn Country-Kautz Willie Nelson in „Easy“ zu seinem Part ansetzt oder wenn Stefanie Heinzmann von Übereifer getrieben „Dancing on the ceiling“ auf die Schlachtbank führt. Viel mehr Reizpunkte kann „Tuskegee“ am Ende auch nicht bieten, als einen romantisch verklärten Rückblick auf Lionel Richies Jungend, der äußerst handzahm und glattgebügelt ausfällt.

Anspieltipps:

  • Lady
  • Easy
  • Hello
  • Angel
  • My love

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