Wishless - Pure Solid - Cover
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Wishless Pure Solid


  • Label: STF Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

So wie man britische Produktionen meilenweit gegen den Wind riecht, so klatscht einem hier der Klang deutscher Rockmusik entgegen.

Einen wunderschönen guten Morgen. Missachten Sie die Uhrzeit zu der Sie diese Rezension lesen und ergeben Sie sich dem Klang der Frühstücksmusik von Wishless. So oder so ähnlich muss ein Text über „Pure Solid“, das neue Wishless-Album beginnen. Die sechs Jungs quer aus Deutschland sind seit 2004 unterwegs und sind ein typisch deutsches Aushängeschild für Musik „Made in Heimatland“.

So wie man britische Produktionen meilenweit gegen den Wind riecht, so klatscht einem hier der Klang deutscher Rockmusik entgegen. Die Zeiten in denen man nicht merkte, dass die Scorpions nicht aus dem amerikanischen Hannover kamen, sind seit Jahren vorbei. Um die Jahrtausendwende konnte kaum eine Band ihre deutsche Herkunft verleugnen. Die Art der Produktion verriet jeden von den Guano Apes bis zu den damals so erfolgreichen Liquido. Doch genug der Einleitung und der Klagen über die deutsche Rockmusik.

Wishless machen alledem zum Trotz das, was die Butter aufs Brot bringt: Radiomusik. Vom ersten Chorus an in „How Should I Let Know“ ist deutlich, dass diese Lieder Pendler morgens mit Sonnenlicht aus den Autoboxen blenden sollen. Gruselige Vorstellung, aber tatsächlich konzentriert sich jeder Track darum, möglichst leicht ins Ohr zu gehen. Der Opener ist da noch die wilde Ausnahme in den Strophen. Unglaublich forsch, recht britisch und mit Hitpotenzial lässt sich hier eine sehr konstruierte, aber auch sehr gute Nummer ausmachen. „I Don't Wanna Let You Go“ wird dann mit Gastgesang, Fast-Orchester und guter Gitarrenarbeit als Kontrastprogramm zum eingängigen Brit-Rock der Eröffnung. Das Erstaunliche daran ist, dass die Jungs das genau wie die Ballade „Marie“ weiterhin sehr gut herüber bringen.

Eine Schande ist dagegen natürlich, wie sehr das Programm des Albums sich offenbart. Aber Ausverkauf ist nicht verboten und so entdeckt man das Prinzip der Radio-Hits in verschiedenen Variationen nicht, nein, es erschlägt einen geradezu. Nach dem Auftaktrio (Brit-Alternativ-Ballade) geht es bunt weiter, bis man gar nicht mehr merkt, wie die Lieder sich voneinander unterscheiden. Ob „Last True Love“ oder „Girl For Sale“, bis auf immer wiederkehrende 90er-Gitarrensoli hebt sich diese Band kaum von der Masse ab.

In dieser versinkt das Sextett allerdings so gut, wie kaum eine zweite Band und auch das ist eine Fähigkeit, die man sich erst mal erarbeiten muss. Wenn die Jungs jetzt noch lernen, ihren Liedern mehr eigenen Charakter zu geben, anstatt sie alle dieser Radio-Natur zu unterwerfen (sei es gewollt oder nicht), wäre alles gut.

Anspieltipps:

  • How Should I Let You Know
  • I Don't Wanna Let You Go
  • Crash

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