Tiemo Hauer - Für Den Moment. - Cover
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Tiemo Hauer Für Den Moment.


  • Label: Green Elephant Records
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

So austauschbar das Debüt auch war, so konsequent geht Tiemo Hauer seinen Weg weiter – und wird dabei besser.

Tiemo Hauers Debüt „Losgelassen“ war eine Schablone von Singer/Songwriter- und Popmusik. Dass der inzwischen 22jährige Stuttgarter unglaublich erwachsen klingt, ist allein kein Qualitätsmerkmal. Zu ziellos waren die Arrangements um die poetischen Texte des Newcomers. Ein gutes Jahr später stellt sich die Frage, ob Hauer an diesen Schwächen gearbeitet hat, da auch das Debüt eine ordentliche Fangemeinde aufbauen konnte. Mit gleich 14 neuen Stücken scheint sich Hauer zumindest voll auf sein Musikerleben zu konzentrieren.

Reifer und aus unerfindlichen Gründen mit einem mäßigen Blues-Gitarren-Solo eröffnet der Jungspund sein zweites Album mit „Warum?“. Die Botschaft stimmt, der Song ist angenehm, wenn auch nicht sehr aufregend und Hauer versucht seine rauchige Stimme erneut als Markenzeichen zu etablieren. Viele andere Gefühle entstehen bei dieser recht gleichbleibenden Stimme nicht, aber Hauer passt seine Musik oft geschickt seinem Gesang an. Was im Opener noch hübsch klingt, wird im Folgenden bis „Wer? Ich! Bin“ allerdings immer wieder neu aufgelegt, dass man schnell die Lust verliert. Hier zeigt sich wieder, dass der Singer/Songwriter weder mit seinem Stil, noch mit Singles umhauen kann.

„Angestrahlt“ ist der erste Aufreger mit schnellem Tempo und neuer Stimmung, die allerdings schnell gegen eine Flut aus melancholischen und auch erbaulichen Balladen ausgetauscht wird. „Letzter Akkord“, „Gar Nichts“ und „Mixtape“ sind nur eine Auswahl der unglaublich hart abbremsenden zweiten Hälfte des zweiten Albums. Die Lieder sind allesamt hübsch anzuhören, aber tiefe Emotionen spiegeln sich in ihnen nicht wieder. Viel ausgereifter präsentieren sich die Kompositionen seit dem Debüt, doch im besten Fall unterhalten sie solide, anstatt den Hörer gefangen zu nehmen.

Das Problem mit Tiemo Hauers Musik ist vielleicht nur von temporärer Natur. Im Vergleich zum Debüt hat der Singer/Songwriter einen ordentlichen Sprung gemacht und wenn er seine Halb-Balladen wie „Warum?“ jetzt noch mit emotionaler Wucht und Tiefe ausstattet haben wir plötzlich eine der großen Hoffnungen Deutschlands vor uns. Gleiches gilt für die noch zu seichten Balladen, die inzwischen zumindest strukturell überzeugen können. Ansonsten sollten Rock-Proben wie „Angestrahlt“ keine Ausnahme mehr sein, da Hauer neben recht ansprechender Qualität zu wenig Abwechslung innerhalb seines Klangkosmos bietet.

Anspieltipps:

  • Angestrahlt
  • Warum?
  • Letzter Akkord

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