Epica - Requiem For The Indifferent - Cover
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Epica Requiem For The Indifferent


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 73 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischen Genialität und Verwirrung: Epica nähern sich langsam der Normalität an.

Seit zehn Jahren erfreuen Epica die Metalgemeinde mit ausufernden Symphonic Metal-Alben, die dem Bandnamen mehr als nur gerecht werden. Angefangen bei majestätischen Orchesterparts, opernhaftem Sirenengesang und harten Edelmetallpassagen, die nicht selten ein paar Grunzlaute von sich geben, bis hin zu träumerischen Balladen und kitschigem Bombast war auf den letzten vier Platten des niederländischen Sechsers (Simone Simons (Gesang), Mark Jansen (Gitarre, Growls), Ad Sluijter (Gitarre), Yves Huts (Bass), Coen Janssen (Keyboard) und Arien van Weesenbeek am Schlagzeug) alles vertreten, was auch nur annähernd in die Genre-Schublade passt. Einzig und allein an der Nachvollziehbarkeit der überlangen Songs haperte es und so grazil und feinfühlig Frau Simons ihre Stimme erheben durfte, meistens hatte sie gegen die erdrückende Instrumentalabteilung keine Chance und der Hörer erstickte recht schnell an Reizüberflutung.

„Requiem For The Indifferent“ schlägt dummerweise in dieselbe Kerbe, allerdings muss man dem niederländerischen Sextett zugestehen, dass es sich langsam aber sicher der Normalität annähert und nicht wahllos fünf Ideen in einen 6 Minuten-Track presst, nur um sich von der Masse abzuheben. Epica haben zwar noch immer keine Ahnung davon, wie man Punkt und Komma einsetzt und quetschen eine an und für sich anmutige Nummer wie „Storm the sorrow“ so lange aus, bis der Hörer entnervt zur Skip-Taste greift, aber wenn im Anschluss mit „Delirium“ die wohl beste Ballade der gesamten Bandgeschichte den Ohren schmeichelt, kann man der Truppe kaum böse sein.

Anders sieht es da schon mit Füllmaterial der durch und durch gleichgültigen Art („Guilty demeanor“, „Internal warfare“), oder den wie eh und je verschachtelten Longtracks aus, die entweder durch orientalische Folklore („Serenade of self-destruction“, „Requiem for the indifferent“) oder progressive Härte („Monopoly on truth“) punkten wollen, unterm Strich aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern maximal für Verwirrung angesichts eines fehlenden roten Fadens sorgen. Vorzüglich munden die Kompositionen Epicas nämlich vor allem dann, wenn kein GPS benötigt wird um den Songs folgen zu können („Deep water horizon“, „Stay the course“) oder Goldkehlchen Simone über all dem Bombast und Ballast mit ihrer glasklaren Stimme thronen darf („Avalanche“).

„Requiem For The Indifferent“ als typisches Album der Niederländer zu deklarieren wäre trotzdem nicht korrekt. Die Trademarks der Band sind zwar vorhanden und Hardcore-Fans werden es ohnehin abgöttisch lieben, aber es sind die kleinen Nuancen, der dezent eingestreute Wille zur Veränderung, der den fünften Longplayer von den bisherigen Veröffentlichungen unterscheidet. Ja, der Großteil der Tracks ist noch immer zu waghalsig und undurchsichtig konstruiert als das die vollen 73 Minuten für durchgehenden Hörgenuß stehen, aber zumindest ein gutes Drittel davon ist exzellent und nachvollziehbar verarbeitet und ein weiteres bewegt sich im leicht überdurchschnittlichem Bereich. Wenn die Qualitätskurve des Sechsers ihre aktuelle Richtung beibehält, kann in ein paar Jahren womöglich von den Dream Theater des Symphonic Metal gesprochen werden. Mal sehen, ob es wirklich dazu kommt.

Anspieltipps:

  • Delirium
  • Stay The Course
  • Deep Water Horizon
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