Oliver Koletzki - Großstadtmärchen 2 - Cover
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Oliver Koletzki Großstadtmärchen 2


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

B-Seite trifft auf Neuland: Der Nachfolger zu Koletzkis „Großstadtmärchen“ siedelt sich zwischen herkömmlicher Draufgabe und spannender Weiterentwicklung an und missfällt nur selten.

Mit seinem „Großstadtmärchen“ (09/2009) hat der deutsche DJ und Musikproduzent Oliver Koletzki voll ins Schwarze getroffen. Der entspannte zwischen Minimal und Electro House pendelnde Output bescherte ihm nicht nur den einen oder anderen Singlehit („Hypnotized“), sondern mit Fran auch seine zwischenzeitlich geehelichte Frau, mit der er ziemlich genau ein Jahr später zum liebestrunkenen Nachschlag „Lovestoned“ (09/2010) ausholte. Gemäß den ungeschriebenen Gesetzen der Musikbranche, bei denen mit erfolgreichen Konzepten die Fans unbedingt ein zweites Mal zur Kasse gebeten werden sollen, legt nun auch der Braunschweiger seinen schlicht „Großstadtmärchen 2“ betitelten Nachfolger vor.

Ganz im Stil des Vorgängers bedeutet das erneut mehrere Gastsänger zu verpflichten, die über den chilligen Clubsounds von Koletzki kleine Geschichten erzählen, die solch altbekannten Themenkreisen wie Liebe („Karambolage“) oder Parties („Fifty ways to love your liver“) neue Aspekte abgewinnen sollen. Das klingt auf den ersten Blick für eine Fortsetzung recht typisch und kaum gewagt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung allerdings als zwischen Mainstream und Avantgarde pendelnder Drahtseilakt, dem eine eindeutigere Marschrichtung gut getan und spannendere Räume geöffnet hätte, denn wenn Nagel (Ex-Muff Potter) in „The power of Rausch“ zu betörenden Minimal Beats aus seinem Roman „Was kostet die Welt?“ eine verstörende wie faszinierende Lesestunde macht, fragt man sich wieso der Speicherplatz der CD für Nonsens wie dem „Reim dich oder ich freß dich“-Text von „Fifty ways to love your liver“ oder halbherzige Popexkurse („Still“, „You see red“) beschlagnahmt wurde.

Am Besten ist „Großstadtmärchen 2“ nämlich vor allem dann, wenn die Grenzen des Vorgängers nicht bestätigt („The devil in me“, „Reisezeit“), sondern aufgebrochen werden und ein unwiderstehlicher Groove, der sowohl tanzbar als auch entspannt seine Runden zieht, die Szenerie beherrscht („Join that spin“), Koletzki seine Liebe zu Daft Punk mit knackigem Beats und Disco-Groove auslebt („1994“) oder gezupfte Bässe, ein sanftmütiges Saxophon und dezenter Minimal House den Alltag vergessen lassen („I miss my friends“). Das mag nach einem ambivalenten, unausgegorenen Werk klingen, doch da Koletzki die starke Phase in die zweite Hälfte des Silberlings verbannt hat, fällt dieser Makel kaum auf. Wo also der erste Teil ein in sich abgeschlossener Kosmos war und daraus seinen Reiz bezog, so ist das sukzessive Werk mehr oder weniger eine Mischung aus B-Seite und Neuland, das experimentellen Ansätzen wie „The power of Rausch“ mehr Raum hätte geben sollen. Man darf jedenfalls gespannt sein, ob der Braunschweiger diesen Aspekt auf einem möglicherweise erscheinendem „Großstadtmärchen 3“ intensiviert. Zu begrüßen wäre dies allemal!

Anspieltipps:

  • 1994
  • Boy Got Soul
  • Join That Spin
  • The Power Of Rausch

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