VCMG - Ssss - Cover
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VCMG Ssss


  • Label: Mute/AIP
  • Laufzeit: 59 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

In der Essenz gelingt dem Duo ein treibender Dancefloor-Entwurf. Wer sich jedoch Zeit nimmt, wird sehen und vor allem hören, wie sich manche Tracks auch im Kopf festsetzen.

Manchmal passieren äußerst ungewöhnliche Dinge in der Musiklandschaft. Die Zusammenkunft von Vince Clarke (Depeche Mode, Yazoo, Erasure, The Assembly) und Martin L. Gore (Depeche Mode) gehört definitiv dazu. Nahezu exakt 30 Jahre ist das zu einem Großteil von Clarke geschriebene Depeche Mode-Debüt „Speak & Spell“ und sein kurzzeitig später folgende Abgang her, als sich ihre musikalischen Wege 2011 wieder kreuzen. Beim letztjährigen Short Circuit presents Mute Festival in London wird ihre Existenz als Duo besiegelt und fortan in ihren jeweiligen Studios an den Sounds und Beats gewerkelt.

Sie nennen sich VCMG, um ihrer gemeinsamen Leidenschaft zum Techno eine Stimme zu verleihen und vermitteln dem Album „Ssss“ sowie der dazugehörigen „EP1 / Spock“ und „EP2 / Blip“ instrumentale, treibende Electro-Nummern im Stile von Minimal-Techno und frühen Acts des renommierten Warp Labels. Wer ausgefeilte Songwriting-Momente dieser beiden kreativen Köpfe erwartet, wird auf dem Debüt-Longplayer nicht vollends auf seine Kosten kommen. Wenn man VCMG jedoch eines attestieren kann, ist es ein stets tanzbarer Ausdruck voller fein ausgearbeiteter Sounds mit teils hymnischer Trance-Komponente.

Bei den ersten ein oder zwei Hördurchgängen ist es noch vermeintlich leicht getan, die Essenz dieses Werkes nur auf reine Dancefloor-Ästhetik festzulegen und somit eine recht kontraproduktive Ausgangsposition für die Freude in den eigenen vier Wänden. Wer sich Zeit nimmt, und dieses ist eindringlich zu empfehlen, wird sehen und vor allem hören, wie sich die zu Recht als Singles aufgewerteten Tracks „Spock“ und „Single Blip“ pulsierend auch im Kopf festsetzen. Dennoch drückt der 4/4-Takt und die festgezurrte Dynamik, zu der sich Ausbrüche in synthetisch garnierte, erfrischend abstrakte Sounds gesellen.

VCMG wildern bewusst in klinischen Regionen, die Vince Clarke und Martin L. Gore selbstredend ausgefeilt für sich in bester Manier beanspruchen. Sie ziehen auf „Ssss“ alle Register zielgerichtet elektronischer Tanzbarkeit und lassen die Tracks in sich verknüpft, so dass nicht nur die Übergange fließend sind, sondern auch der Überraschungsmoment im Laufe der knappen Stunde an seine Grenzen stößt. Poppige Melodien, wie in „Bendy Bass“, sind die Ausnahme und zeigen, dass durchaus einige Elemente aus ihrer Synth Pop-Zeit im Sinne der Gesamtwirkung hilfreich gewesen wären. So zerren die (Acid-)Sounds nach einer gewissen Spieldauer nicht nur an den Nerven, sondern festigen den Longplayer als netten Zeitvertreib mit durchaus ansprechender Electro-Durchschlagskraft, die im Club deutlich mehr Berechtigung hat.

Anspieltipps:

  • Spock
  • Bendy Bass
  • Single Blip
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