Delta Spirit - Delta Spirit - Cover
Große Ansicht

Delta Spirit Delta Spirit


  • Label: Rounder/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Jungs aus San Diego entdecken den Mainstream für sich.

Delta Spirit ist einer DER Namen, die man als Americana/Folk-Hoffnung der letzten Jahre durch den Raum werfen durfte. Damit macht die Band mit der eigenen Neuerfindung jetzt Schluss. Mit Universal im Rücken und Anleihen an den Sound von The Killers und Arcade Fire geht die Band den Schritt in die Mainstream-Rock-Ecke. Das muss gerade bei genanntem Genre-Bruder Arcade Fire kein Manko sein, wird die Fanschaften der ersten beiden Alben „Ode To Sunshine“ und „History From Below“ aber zumindest er-, wenn nicht gleich abschrecken.

Doch kann die Band überhaupt Rock? Bisher hat man sie mit träumerischen Balladen gleichgesetzt und potenzielle Hit-Singles wie „Trashcan“ waren eher die Ausnahme der folkigen Regel. Die fünf Gefühlsexperten können jedoch auch den großen Sound fürs Stadion fabrizieren. Als hätten sie nie etwas anderes getan, eröffnen sie das selbst betitelte neue Album gleich doppelt. „Empty House“ ist eine sich aufbauende Hymne, welche mit traumhaft schönen Gitarrenläufen und weiter Soundlandschaft für die nötige Grandeur sorgt. Das anschließende „Tear It Up“ lebt von wenig Text und viel Raum füllender Musik, dass man sich die langsam wild werdenden Massen problemlos vorstellen kann. Delta Spirit haben sich neu erfunden.

Keine Spur der intimen Melancholie der vorigen Outputs. Anstatt dessen werden Gefühle in Pop-Gewänder eingehüllt und sind mit Killers-Melodien und U2-Gitarren garantierte Radiohits für Romantiker („California“). Die schmissige Rock-Single wird mit „Idaho“ gleich hinterher gereicht und als Hörer weiß man kaum, wie die Band diesen Spannungsbogen aufrecht erhalten soll. Vier erstklassige Hymnen von jeweils völlig anderer Struktur blasen Unterhaltung suchende Hörer problemlos weg. Dabei wird mit verschiedenen Gitarreneffekten, Keyboard-Sounds und dem sehr popgerechten Gesang Matt Vasquez' derart gekonnt hantiert, dass man zwei Mal überlegt, ob diese Band vorher wirklich so viel anders geklungen hat.

Wer auf den erdigen Folk-Sound verzichten kann, der wird aber auch auf „Delta Spirit“ große Gefühle mit intimer Note ausmachen können. Natürlich klingen „Home“ und „Time Bomb“ ein wenig generischer und polierter. Aber die Melodien stimmen zu jedem Zeitpunkt und zudem sind diese Tracks eine gute Möglichkeit abzuschalten, wenn Folk-Elemente in den Stadion-Rock gepresst werden („Otherside“) und Arcade Fire in Americana-Manier zitiert werden („Tellin' The Mind“). Diese experimentellen Stücke sind nun aber zu den Ausrutschern geworden.

Besonders gegen Ende werden Killers-Parallelen deutlich, wenn die romantischen Stadion-Hymnen „Into The Darkness“ und „Yamaha“ aus den Boxen dröhnen. So traumhaft schön wie Delta Spirit die Vorbilder aber überholen (und im Falle der Killers das enttäuschende „Battle Born“ vergessen machen), will man ihnen keine Vorwürfe machen. Auch der softe, aber mit nötiger Geschwindigkeit ausgestattete Rocker „Money Saves“ zeigt, wie Delta Spirit einfach alles ein wenig besser und frischer machen, als die etablierten Rock-Bands der weicheren Sorte. Sie sind nicht mehr, wer sie einmal waren, und ob sie noch ihren eigenen, neuen Sound finden werden, bleibt abzuwarten. Als erster Schritt ins neue Genre muss man allerdings neidlos von einem kleinen Meisterwerk ohne Stolpersteine sprechen.

Anspieltipps:

  • Empty House
  • Money Saves
  • Yamaha

Neue Kritiken im Genre „Americana“
7.5/10

Where The Wild Things Grow
  • 2018    
7/10

This Too Shall Light
  • 2018    
7.5/10

A Different Kind Of Light
  • 2018    
Diskutiere über „Delta Spirit“
comments powered by Disqus