Wumpscut - Women And Satan First - Cover
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Wumpscut Women And Satan First


  • Label: Betonkopf/SOULFOOD
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Rudy Ratzinger geht steil und die Zensurbehörde singt Halleluja!

Dass Rudolf Ratzingers (45) Musikprojekt Wumpscut seit über 20 Jahren alles andere als ein gewöhnliches Ein-Mann-Vorhaben ist, muss man Kennern nicht erst erzählen. Der ehemalige DJ spaltet die Hörerschaft in Wort, Bild und Ton Jahr für Jahr mit einem neuen Tonträger in zwei Lager. Das bleibt wohl nur lieben oder hassen und nichts dazwischen.

Ohne auch nur einen einzigen Ton des neuen Wumpscut-Werks gehört zu haben, stellt bereits das Coverartwork eine Steilvorlage für Kritiker dar: Nackte, hässliche Menschen in aller ihrer Pracht – nicht wie Gott sie schuf, sondern so, wie sie sich im Laufe ihres Lebens zugerichtet haben. Mehr Verachtung und gleichzeitige Provokation geht kaum. Und die Zensurbehörde singt dazu Halleluja!

Wer seit gut zwei Dekaden Musik im Stile von Wumpscut veröffentlicht, also Industrial-Gothic-Electro-Rock, ist gegen jede Art von Kritik gefeit. Entsprechend haben es die meisten Rezensenten inzwischen aufgegeben, das musikalische Treiben Rudy Ratzingers zu sezieren. Es wird achselzuckend zur Kenntnis genommen und als Ausgeburt eines genialen Wahnsinns bestaunt. Eine dankbare Hörerschaft saugt eine Wumpscut-Platte nach der nächsten auf und nimmt stoisch in Kauf, dass Wumpscut als Live-Act nicht existent ist.

Dabei gäbe es durchaus Interessantes über „Women And Satan First“ zu berichten! Zum Beispiel, dass dieses ca. 14. Studioalbum so wenig radikal wie lange nicht von Wumpscut gehört ausgefallen ist. Die Beats bollern deshalb eher gemächlich, während die Samples wie eh und je mal mehr und mal weniger Sinn machen. Die Gesangsleistung ist den morbiden Texten geschuldet, war aber schon mal aufregender und Songtitel á la „Kill that little fuck“ oder auch „Cunnilingus Creutzfeuer“ versprechen mehr als sie halten.

Ja, gibt’s denn das? Der neue Wumpscut-Longplayer ist rein musikalisch betrachtet tatsächlich null angriffslustig und streckenweise richtiggehend langweilig. Das reicht noch nicht einmal für einen zünftigen Verriss. Und damit landet dieses Musikprojekt urplötzlich und überraschend in einer Schublade, auf der ganz groß geschrieben steht: „Kann ab sofort ignoriert werden“.

Anspieltipps:

  • Death panacea
  • Blutsturz, Baby
  • Burial on demand

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