Meshuggah - Koloss - Cover
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Meshuggah Koloss


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Selbst Innovatoren erfinden sich nicht ständig neu. Dieser „Koloss“ ist nicht so „leicht bekömmlich“ wie der Vorgänger, übertreibt aber auch nicht mit rhythmischem Overkill.

Selbst Innovatoren erfinden sich nicht ständig neu. Sie können durch ihren einzigartigen Sound zwar stilprägend wirken und somit eine Führungsposition einnehmen, was aber nicht heißt, dass sie sich musikalisch großartig verändern werden. Wieso auch, wenn eine so spezielle Nische gefunden wurde, in der es sich bequem lebt und die auch noch so viel Einfluss auf das Umfeld hat. Meshuggah sind ein sehr gutes Beispiel dafür, denn sie sind maßgeblich für die Ausbildung des so genannten Djent-Sounds verantwortlich, von dem mittlerweile sehr viele Metal-Bands zehren.

Verrückt ist der richtige Name für eine Band, in der jedes Instrument gerne mal seinem eigenen Rhythmus folgt. Meshuggah sind die Könige der Polyrhythmik, auch wenn jene auf dem letzten Album „ObZen“ zugunsten etwas leichterer und besser erfassbarer musikalischer Kost abgenommen hat (von Eingängigkeit zu sprechen wäre zu viel des Guten). Nicht umsonst war das Wort Zen in dem Titel enthalten und genau wie das Album „Chaosphere“ ein einziges rhythmisches Chaos war, so ist das neue Werk auch genau das, was der Titel verspricht, ein „Koloss“. Dieser Koloss stampft durch die Botanik und macht einiges Platt, natürlich ohne Rücksicht auf Verluste, aber eben nicht in einem unmenschlich konstanten Robotertempo, sondern mit einigen Variationen. Die Platte ist nicht so „leicht bekömmlich“ wie der Vorgänger, übertreibt aber auch nicht mit rhythmischem Overkill, insofern positioniert sie sich irgendwo zwischen den letzten Alben.

Der Start des Albums nimmt einen noch nicht gefangen, aber ab dem zweiten Stück entfaltet sich dann doch wieder diese gewohnte Brachialität, Rauigkeit und Schnelligkeit, gepaart mit den vertrackten Strukturen, aus denen sich nach einigen Durchläufen der langsamste Grundrhythmus herausschält zu dem das Bein mitschwingen kann. Das gestaltet sich beim Tempo von „The Demon's Name Is Surveillance“ noch recht schwierig, aber bereits bei dem groovenden „Do Not Look Down“ samt lässigem Gitarrensolo klappt das ganz gut. Sehr einprägsam ist „The Hurt That Finds You First“, das sich vom anfänglichen Thrash/Death-Geknüppel zurück entwickelt, immer langsamer und ruhiger wird, dabei eine Spannung aufbaut und leider genau dann aufhört, wenn eine weitere Entwicklung wünschenswert wäre.

Ein Stück erinnert daran welches typische Meshuggah-Element auf diesem Album ansonsten fehlt, nämlich diese schnellen Gitarrenlicks in höherer Tonlage, die die sonstigen tief gestimmten Riffungetüme konterkarieren, in „Marrow“ ist so etwas vorhanden. Wahrscheinlich verursacht das Fehlen dieser kleinen Gegensätze diese durchgehende Schwere, die an einen „Koloss“ erinnert. Aber auch das Fehlen der ständigen kleinen rhythmischen Spielereien wie sie auf „ObZen“ typisch waren, diese deutlichere Geradlinigkeit ohne ständiges Hin und Her verursacht diesen Charakter der Behäbigkeit. Lediglich „Demiurge“ lässt kurz eine solche eingängige Rhythmusstruktur ins Freie, bevor mit „The Last Virgil“ ein ruhiger, atmosphärischer Ausklang des Albums gewählt wird.

„Koloss“ ist somit Stagnation auf hohem Niveau und damit sollten die meisten ohne Probleme leben können. Wer sich etwas mehr Spannung und Atmosphäre in der Musik oder etwas größere Lautstärkevariabilität in den Songs wünscht, der ist bei frischen Bands wie Uneven Structure oder auch Animals As Leaders sehr gut aufgehoben.

Anspieltipps:

  • Do Not Look Down
  • The Hurt That Finds You First
  • Marrow

Dieser Artikel ging am um 15:41 Uhr online.
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