Grimoon - Le Déserteur - Cover
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Grimoon Le Déserteur


  • Label: Solaris Empire/Broken Silence
  • Laufzeit: 34 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Überall stellt sich dieselbe Frage zu der fanzösisch-italienischen Band Grimoon: Wie geht man an so eine Sprach-Kombi heran? Nun, wenn man der Sprache(n) nicht mächtig ist, dann hört man einfach auf die Musik. Diese sollte sowieso im Zentrum stehen und sorgt auch dafür, dass man im Westen die Asian Kung-Fu Generation bedenkenlos genießen kann. Französisch ist uns noch dazu weit weniger fern, womit die Hauptsprache der Truppe genannt ist. Viel interessanter ist ihr Indie-Pop-Ansatz, der gerne mal nach (nicht ganz so) wildem Westen klingt.

Von der Panflöte bis zum Glockenspiel findet sich früher oder später alles wieder, was Pop-Musik ein bisschen anders klingen lässt. Am ehesten denkt man bei diesen musikalischen Vorlieben an Gemma Ray die selbst bald wieder ein Album vorlegen wird. Nur ganz so finster und psychedelisch wird es in der Klangwelt der Südeuropäer nicht. Zumeist, wie im Opener begrüßen einen weiche Gitarren-Pop-Songs, die nicht viel abverlangen. Anders, aber trotzdem unscheinbar präsentiert sich die Band zu Beginn mit typisch französischem Akustik-Pop. Auch das anschließende „Souvenirs“ erinnert an den schnelleren Radiopop aus dem Land des Eifelturms, ist dabei jedoch nicht so charmant, wie Moi Caprice aus Dänemark.

Schlecht ist dieser Auftakt wirklich nicht. Nur hat man nach all dem Tamtam um die Band so viel mehr erwartet. Auch „Monument Aux Déserteurs“ ist letzten Endes nicht mehr als ein ausgebreiteter Pop-Song, der zwei Songs in sich vereint. Richtig schöner Indie-Pop ist das schon Mal, der mit Bläsern und leicht überbordendem Sound an das zweite The Arcade Fire erinnert. Der erste Ausflug in die dunklen Gefilde der Tonleiter geht mit „Draw On My Eyes“ gründlich schief. Ein zielloses Psychedelik-Gewaber ist das ereignislose Ergebnis. Dagegen gefällt „La Montagne Noire“ gleich viel besser, das mit seinen Streichern an typische Western-Soundtracks erinnert.

Schon mal in dieser Prärie versucht sich auch „Les Démons Du Passé“ mit einer weiteren ruhigen, sphärischen Nummer, die aber ähnlich belanglos wie „Draw On My Eyes“ bleibt. Auch das kurze „Directions“ ist lediglich eine Erinnerung an den Euro-Indie-Pop des Anfangs. Das erste und einzige wirkliche Highlight auf „Le Déserteur“ ist der Schlusstrack. Mit Chören, Bläsern und Gitarren, die nicht bloß Pop sein wollen eröffnet sich zusammen mit dramatischen Streichern ein Klangkosmos, der das Wort Anders verdient hat. Hier fehlen einem die Worte, wenn man nach einer festen Stilrichtung sucht. Schade, dass dieser Song am Ende zu wenig ist, da man das Album viel mehr seichten Radio-Pop-Fans empfehlen muss. Und auch das mit Abstrichen.

Anspieltipps:

  • Tango De Guerre
  • Monument Aux Déserteurs
  • La Montagne Noire

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