Augustines - Rise Ye Sunken Ships - Cover
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Augustines Rise Ye Sunken Ships


  • Label: Oxcart Records/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist gut, dass die Schiffe wieder fahrtüchtig gemacht wurden und es wäre wirklich ein Jammer für jeden Musikliebhaber, sollten sie eines Tages wieder untergehen.

Einmal mehr hinken wir in Deutschland hinterher, wenn es um die Veröffentlichung großartiger Musik geht. So feierten We Are Augustines bereits 2011 den Erfolg, das iTunes Album des Jahres hervorgebracht zu haben. Auf ihrer Tour in diesem Jahr legte die Band auch hierzulande ein paar Stopps ein, um „Rise ye sunken ships“ vorzustellen, kurz vor Erscheinen des Werks, von dem man hier zuvor kaum gehört hatte. In den USA hingegen wurde sogar Kult-Entertainer David Letterman auf sie aufmerksam, lud sie in seine Show ein und verschaffte der ersten Single „Chaple Song“ dadurch ordentlich Gehör. Betrachtet man diese Entwicklung, hat man das Gefühl, die Brooklyner Jungs von We are Augustines sind mit ihren gesunkenen Schiffen wieder voll auf Erfolgskurs.

Und tatsächlich gibt der Name des Albums Aufschluss auf die Geschichte der Band. Nicht immer lief alles so rund, wie mit diesem gnadenlos persönlichen und berührenden Debütalbum. So entstand die Band aus den Scherben einer harten Vergangenheit. Sänger und Frontmann Billy McCarthy gab nur zwei Jahre zuvor die Auflösung seiner ehemaligen Gruppe „Pela“ bekannt. Das war kurz nachdem er erfuhr, dass sein Bruder Selbstmord begangen hatte. Mit dem Suizid folgte James der gemeinsamen Mutter, die den selben Weg gegangen war, als McCarthy gerade mal neunzehn Jahre alt war. Der eine oder andere hätte nach solchen Ereignissen die Musikkarriere wohl an den Nagel gehängt, vor allem, wenn man bedenkt, dass wohl wirklich jeder Musikjournalist darauf zurückgreifen und die Vergangenheit immer wieder aufrollen würde. Doch McCarthy reagierte anders. Gemeinsam mit dem Bassisten Eric Sanderson, der auch schon in der Band „Pela“ dabei war und dem Schlagzeuger Rob Allen, gründete er die Augustines, aus denen kurz später die „We Are Augustines“ wurden. McCarthy schien die Trauer zu verwandeln, in Energie zu bündeln und in ein Album voll Power und Lebenskraft zu stecken. Das Resultat sind zwölf Lieder, die gefühlvoller und aussagekräftiger kaum sein könnten. Sie haben das gewisse etwas, die Mischung aus Melancholie, herzzerreissenden Tiefgängen, einer kraftvollen Stimme und perfekt eingesetzten Instrumenten. Und genau deshalb ist seine Vergangenheit so erwähnenswert. Mit dem Album scheinen die Geschehnisse nicht nur bewältigt zu werden, es schimmert hier und da sogar bittersüße Hoffnung durch.

In „Book of James“, dessen Video in den USA bereits eine beeindruckende Zahl von Internetklicks erreichte, singt McCarthy über den toten Bruder. Dabei stechen vor allem die Worte „your forgiven“, gesungen mit der sehr eindringlichen Stimme des Frontmanns immer wieder hervor. Und auch in „New drink for the old drunk“ werden Probleme sehr eindrücklich und vor allem absolut überzeugend verarbeitet. Das macht die Band authentisch, es macht die Musik stark. Dennoch wäre es falsch, We Are Augustines alleine auf ihre Vergangenheit zu reduzieren. Denn es steckt noch einiges mehr in den Newcomern. So unangebracht der Spruch „was uns nicht umbringt, macht uns stärker“ in manchen Fällen vielleicht sein mag, für We Are Augustines scheint es zuzutreffen. „Juarez“ und „Strange Days“ sind nur ein paar der Beispiele, die den Mut, verpackt in Talent und Einzigartigkeit, ausdrücken. „Put up a fight“, heisst es in letztgenanntem Song, „Like a ghost ship in the night“, das Lied endet mit einem großartigen, kräftigen Chor, bevor es in das ruhigere, „Barrel of leaves” und schließlich das letzte Lied, ein Instrumentalstück, übergeht. Es ist gut, dass die Schiffe wieder fahrtüchtig gemacht wurden und es wäre wirklich ein Jammer für jeden Musikliebhaber, sollten sie eines Tages wieder untergehen.

Anspieltipps:

  • Chapel Song
  • Augustine
  • Book of James
  • Juarez
  • Strange Days

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